Candlelight von Morgi (Inu no Taishō / Kagome) ================================================================================ Kapitel 17: Myouga I -------------------- Candlelight - Myouga I - Autor: Beta: Fandom: Inu Yasha Genres: Romantik (Hetero), Humor, Alternatives Universum Disclaimer: Inu Yasha ist Eigentum von Rumiko Takahashi, ich verdiene hiermit kein Geld. Widmung: Ein spätes Geburtstagsgeschenk für . ;) Was zuletzt geschah: "[...] mache mir diese unabänderliche Situation zum Freund – nur an einem anderen Ort. Trocken, ruhig, suchen Sie sich etwas aus." "Gern. Lassen Sie mich Ihnen vorher noch meinen Mantel geben." - - - - - - - 23 "Das ist–" nicht nötig. Ich kam mir wie Rotkäppchen vor, als der Fischgrätenstoff auf meine durchweichten Haare fiel und mich in den vertrauten Geruch von Zitronengras hüllte. Ohne viel Aufhebens schlang er im Gehen die andere Hälfte seines Wollmantels um meine Schultern, dann bekam ich völlig übertölpelt die Knopfleiste zu fassen und streifte seine Hand. Es war keine große Sache. Wirklich nicht. Mein Verstand war nur ohne mich weiter gelaufen. Allmählich hätte ich mich daran gewöhnen müssen, aber die Nähe änderte die Spielregeln. Ha! Warum packte ich ihn nicht gleich unaufgefordert an der Krawatte und zog ihn zu mir herunter?! Dass er sich solch eine Berührung von mir gefallen ließ, statt mir dafür die Kehle zu zerreißen, sprach Bände! Sesshoumaru hätte für diese Gelegenheit seinen linken Arm gegeben – mich unappetitlich auf den Bodenplatten zu verteilen, nicht den Blick fasziniert über meine Wimpern wandern zu lassen. Unglaublich, dass ich es schaffte, vor dem einen Hundedämon davonzulaufen und mit dem anderen Arm in Arm spazieren zu gehen. Ein halbes Dutzend Schritte später wich das Gewicht wieder von meiner Schulter. Während ich meine Grenzen verletzte und auf Tuchfühlung ging, wahrte er den Anstand und lächelte über mein Gefühlschaos. Schnaufend zog ich die doppelt gewobene Stoffschicht tiefer in die Stirn, während die Gehwegplatten von gluckernden Wellen überspült wurden. Am liebsten hätte ich Sangos Ex-Freund Naraku angerufen und ihn gefragt, warum er es nie mit dieser Masche versucht hatte. Die Taktik funktionierte hervorragend, um den eigenen Korb mit Stilettos treten zu wollen! Stumm fluchte ich auf meine Situation. Jakens Gezeter verblasste hinter uns. Vom Boden stieg ein Nebelfilm auf, der sich in Schlieren um die Blumenkübel am Wegesrand wickelte, bis der Bürgersteig lebendig wirkte. Die Pflanzen flatterten unter der Energie meines Begleiters, dann verdichtete sich der Wolkenbruch zur Gischt. Das machte mir überhaupt nichts aus. Mein scharfer Atemzug, die klamme Feuchtigkeit auf den Waden: So fühlten sich alle Frauen, die in der nächsten Einblende eines Liebesfilms eine saftige Erkältung heimsuchen sollte, statt schirm- und kopflos neben ihrem Geschäftsführer ins Ungewisse zu spazieren. Glücklicherweise war ich zu alt, um darauf zu achten, wie sich der Stoff seines grauen Seidenhemdes gegen seine Schultern drückte. Die meisten Dämonen spotteten jeder Werbung, was die sehnige Muskulatur betraf. Er auch. Wer hatte sich das ausgedacht? Ich stand tagsüber stundenlang auf den Beinen, wischte, fegte und nahm Reißaus vor den lebensverkürzenden Klauen meines Chefs. Mir gebührten die durchtrainierten, schönen Waden einer Heldin! Stattdessen fuhr ein weiterer, eisiger Windstoß gegen meine dürren Knöchel und brachte ein nahes Laternenlicht zum Flackern. Na, danke auch. Die Gänsehaut kroch mir prompt bis zum Nacken hinauf, aber das hielt mich nicht davon ab, ketzerisch das Gegenteil zu behaupten: "Sehen Sie? Ich bin immer noch nicht durchnässt." "Das letzte Mal, als ich diesen Satz hörte, weckte mich jemand am nächsten Morgen mit Schüttelfrost und hohem Fieber." "Ihr Berater, Isamu?" "Nein", lächelte er mich amüsiert an. "Wirklich nicht?" "Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass er sich von Krankheiten oder unangenehmen Ereignissen fernhält, die mein Leben mit sich bringen. Wäre es anders, hätte ich seit meiner Jugend keine ruhige Minute mehr genossen." Er sah mich so heiter an, als erwarte er, seinen Angestellten hinter meiner Schulter mit einem zusätzlichen Armpaar beim Wedeln zu entdecken. "Wenn ein Flohgeist erst beschlossen hat, Sie an seinem Wissen teilhaben zu lassen, weicht er nicht mehr von Ihrer Seite." Wollte ... wollte er mich veralbern? "Ein Hundedämon und ein Floh?" "Der klügste und langlebigste seiner Art, um ihn zu zitieren." "Ja, und zweifellos der verrückteste, falls er glaubt, Ihnen ins Gewissen reden zu können." "Dann und wann gelingt es ihm. Ich bin zum Bedauern meiner Geschäftspartner alt, nicht taub", führte er trotz meines Glucksens aus, ehe er mich mit einer Neigung seines Kopfes auf die Straße jenseits des Bordsteins hinwies. Das Wetter hatte den Asphalt längst in einen Strom verwandelt, sodass vereinzelte Abschnitte wie Inseln und Rochen auftauchten. Nachts, im schwarz glänzenden Meer, konnte es nicht berauschender aussehen. "Halten Sie sich links, Kagome. Ihre Absätze sind hoch genug, um nicht zu versinken." "Ich bezweifle, dass das für meine Zehen gilt." "Oh, davon bin ich überzeugt. Der schmale Pfad genügt. Sollten alle Stricke reißen und ich mich irren", versicherte er mir, "werde ich als gewaltiger, weißer Hund reumütig hinter Ihnen hertrotten." "W-Wehe Ihnen!", schnappte ich erschrocken. "Es klingt wesentlich schlimmer, als es ist." Das war auch nicht mein Problem an seiner Behauptung, aber ich konnte ihm unmöglich gestehen, dass ich durch Kogas Erzählungen über einer leergefegten Küchentheke bereits wusste, wie viel Vertrauen und Zuneigung es brauchte, um einen Dämon in seiner wahren Gestalt zu sehen – und zu überleben. Über das Wörtchen 'Reue' wollte ich gar nicht nachdenken! Natürlich blieb ich mir selbst treu und tat es trotzdem. Seufzend stieg ich über den ersten Wasserschwall hinweg, der in einer Rinne vor dem Bürgersteig die Rolle für den nächsten Marianengraben austüftelte. Einen Moment schimmerte die Oberfläche in der hellen Farbe seines Haares, doch als ich blinzelte, war der Spuk schon wieder verschwunden. Huch? Dann spürte ich seine Hand an meinem Ellenbogen, als lägen nicht zwei Mäntel dazwischen. "Vertrauen Sie Ihren Sinnen", raunte er mir zu, während seine Stimme ein dunkles, ernstes Timbre annahm. "Fällt Ihnen die Veränderung in der Luft auf?" "Es ... es nieselt noch?" Mein Verstand nannte es auch kieksend, 'vom Regen in die Traufe kommen', aber meinen Anflug von Vernunft und das Festhalten der Handtaschenriemen mit den freien Fingerspitzen lächelte er geduldig hinfort. "Sie haben eine charmante Art, über eine Kreatur dieser Art zu sprechen." "Von wem reden Sie?" Von Jaken? Hatte er sich doch an unsere Fersen geheftet? Diese Froschplage! Ein paranoider Blick über meine Schulter zeigte mir die Aussicht auf die Hälfte meiner wie Algen klebenden Haarsträhnen und das Innenfutter seines Mantels. Oder mit anderen Worten: Ich konnte froh sein, dass ich nicht halbblind ins Stolpern geriet. Trotzdem blieb ich die Einzige, die sich fernab des Restaurants mit Isamu unterhalten wollte. Moment. Musste. Musste! Also schön. Wollte. Ein bisschen. Ich hatte keine Ahnung, wen er meinte und der Eingangsbereich lag weiter zurück als erwartet: Ein unscharfes, im Zwielicht der Nacht verwaschenes Gebilde voller funkelnder Lichter. Bei der nächsten Gelegenheit hing ich wieder an seinen Lippen. Leichtsinnig, nicht wahr? Normalerweise stand ich unter einer kleinen, überdachten Bushaltestelle, wenn ich über unerwünschte Zuhörer oder das Wetter philosophierte: Das Smartphone zwischen Schulter und Ohr eingeklemmt, die Wangen brennend vor Scham über die unpassenden Gegenfragen meiner Mutter. Inzwischen war sie entschlossen genug, mir eine polygame Beziehung zu sieben Männern gleichzeitig zu verzeihen, solange einer davon Vater werden wollte. "Verraten Sie es mir." "Wir sind an einem Drachen vorbei gekommen, meine Liebe. Seine Schuppen spiegelten sich im Wasser." Was? Mein empörtes Stehenbleiben ließ er nicht gelten. Seine Hand wanderte meinen Rücken hinab, dann schob er mich weiter und mein Widerstand zerstob wie Eisen auf der Esse, ehe ich überhaupt sortiert hatte, was ich ihm alles an den Kopf werden wollte. Ich befand mich im Herzen Tokyos! Einer Stadt, die den Menschen gehörte. Warum begegneten mir im fünf Minuten Abstand neue Dämonen, die mich vierteilen, aussaugen oder auffressen konnten, seit ich mich mit ihm unterhielt? Sogar in der 'Taishou Holdings Corp.' gab es ganze Etagen, auf denen ich Youkai vergeblich suchte! "Sie ziehen solche Probleme an", flüsterte ich scharf. "Nun, das ist leichter, als sie sich mühsam zum Zeitvertreib suchen zu müssen." Sehr witzig. "Seien Sie unbesorgt, Kagome. Es war nur ein unerfahrenes Jungtier, das die Grenzen ernster nehmen sollte und aus der Not eine Tugend machte. Sie verschmelzen selten mit der Natur, um ihren Hals zu schützen. Einem alten Drachen möchten Sie kaum im Tageslicht begegnen." Warum sollte ich auch? Mein Mund wurde trocken, während mich die Vorstellung wie mein verkniffen aussehendes Spiegelbild vor der Morgendusche ansprang, ehe die Wassertemperatur auf zehn Grad fiel und ich kreischend auf eine andere Fliese springen konnte. Dann überschlugen sich meine Gedanken, bis ich den Namen Ryukotsusei hinter jeder Böe flüstern hörte. Bloß nicht albern werden. Schluss jetzt! Der finanzielle Ruin von Sangos Vater hatte mit einer Unterschrift bei strahlendem Sonnenschein begonnen – und ich war kein naiver Teenager mehr, der vergaß, dass der Mann an meiner Seite von Drachendämonen im Westen aufgehalten worden war, während seine zweite Frau im Feuer verbrannte. Ich wollte nicht herausfinden, was er wirklich über Drachen dachte. Nicht, wenn ich den Druck seiner Hand so deutlich spüren konnte. Für Dämonen wären meine Rippenbögen wie Papierstreifen. Rasch stieg ich in wenigen Schritten auf die gegenüberliegende Seite des Bordsteins. Die Absätze erzeugten ein dumpfes, selbstbewusstes Klacken, doch sein Blick galt nur meinen cremeweißen Riemchenstilettos, als er mich wieder freigab. Inzwischen zierte sie ein Sprenkelmuster aus Schlamm und Matsch, das sich bis zu den Kniekehlen hinaufzog. Mich von einem Klecks Lehm angreifen und von ihm retten zu lassen, kam jedoch nicht in die Tüte. "Warum machen Sie mich auf diese Dinge aufmerksam? Ich könnte an den Gefahren vorbeigehen und mich mit ihnen unterhalten, ohne sie zu bemerken." "Nun, ich fürchte, für den Tod spielt es keine Rolle, ob Sie auf ihn aufmerksam werden. Es erleichtert ihm nur das Tagewerk." Er schmunzelte, als ich die Lippen spitzte und sie mit der Vorliebe für alte, rostige Schwerter schärfte. "Das ist das Gegenteil eines einträchtigen Spazierganges, falls Sie das wissen wollten." "Vermissen Sie etwa das Kerzenlicht?" "Tauschen Sie es gegen ein warmes Handtuch", erwiderte ich kokett, "und wir können weiter reden." "Ich werde mich daran erinnern." Ohne Eile hielt er mit mir Schritt, während ich ihm dann und wann einen verstohlenen Seitenblick zuwarf. Er wirkte entspannt, ruhig und nahm keinen Anstoß daran, dass der Regen in dicken, schweren Bahnen kam. Ein Tropfen nach dem anderen lief an seinem Kiefer hinab, um anschließend Stoff und Leder zu tränken. Bei der Qualität seiner Hosen oder des Schuhwerks hatte ich etwas anderes erwartet, aber er öffnete nicht einmal verärgert die Lippen, als er den Kopf zu den Wolken hob. Das Grollen gehörte zum Gewitter, nicht zu ihm. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es war, wenn man den Nachthimmel über Jahrtausende kommen und gehen sah. Er hatte Recht: Alles veränderte sich, wuchs und starb, wurde gebaut und eingerissen, doch die Natur blieb. In der Stille zwischen uns veränderte sich die Stadt. Die Wolkenberge hingen wie eine rabenschwarze Kuppel über den Hochhäusern und der Allee fest, welche der Moderne mit jedem frisch gepflanzten Blauregen und den empor rankenden Prunkwinden die Zeit aus dem Mauerwerk zog. Seitenstraßen zweigten ab und wurden zu Graspfaden; mehr als ich zählen konnte. Die Gebäude bekamen Dachtraufen und nicht enden wollende Reihen wuchtiger Autos verschwanden am Straßenrand, ehe ich mich an die Wagen gewöhnt hatte. Selbst die Platten des Gehwegs brachen in der Struktur auf, bis jeder Stein in einer Wachsschicht schimmerte. Bald glänzte der Bürgersteig mit der Schönheit eines alten Spinnennetzes. "Wir sind fast da. Ich hätte Sie gefahren", verriet er mir, "aber ich habe mich zu Champagner überreden lassen, und vermeide an Abenden wie diesen den Lärm und Geruch laufender Motoren. Sie überdecken Fährten, die selten zu Gast sind und die ich ungern aus den Augen verliere." "Weil sie Gefahr bedeuten?" "Nein. Ich bin nur wählerisch bei meinen Besuchern, wenn ich Rin glauben darf. Darf ich bitten?" Als ich meine Stirn in Falten legte, fühlte ich mich begriffsstutziger als Kirara, die vergaß, ihre Krallen aus meinem Oberschenkel zu ziehen, während ich schon dreitausend Tode starb. Dann bemerkte ich die Treppenstufen, die sich in Laufrichtung abzeichneten. Schieferfarbene, sorgsam behauene Absätze – der erste beinahe vollständig von den Wurzeln eines uralten, knorrigen Magnolienbaums verdeckt, der im Wolkenbruch atmete. Das Gebäude dahinter erwischte mich unvorbereiteter als ein Pfeilhagel. Er hatte mich doch nicht ... - - - - - - - Wo denkt sie hin? Natürlich! Endet der Spaziergang in Kapitel #18, "Myouga II"? Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)