Harry Potter - Kinder der Dunkelheit von -Loki- ================================================================================ Prolog: Prolog/ Der Anfang! --------------------------- So... eine neue FF von mir... Und ja, mich gibt es noch. Werde in nächster Zeit sogar mehrmals von mir hören lassen, aber nicht mehr so oft, wie früher >.< Sorry, aber leider hält die Uni mich sehr auf Trab. (*Staasexamen grüß*) So, vorerst gibt es hierzu erstmal nur den Prolog. Ich weiß ja nicht, ob Interesse für solch eine FF besteht, würde mich also freuen, von euch zu hören.... Ach und noch eines: Ich gehe nicht 100%ig nach den Büchern... Also vergebt mir Abweichungen und Ungereimtheiten! Prolog/ Der Anfang! Seit tausenden von Jahren, herrscht Krieg zwischen den Vampiren und Werwölfen. Sie kämpfen um die Vorherrschaft in der Unterwelt und lechzen nach der vollkommenen Macht über die Erde. Ein Ende dieser Auseinandersetzungen ist nicht in Sicht! Nur die Vernichtung einer der beiden Seiten, würde dem Krieg ein Ende setzen. Ein Vampir oder Werwolf, könnte in deiner unmittelbaren Umgebung sein. Du erkennst sie nicht, dazu benehmen sie zu menschlich! Also gib Acht! Selbst dein bester Freund könnte ein blutsaugendes oder fleischfressendes Monster sein, das nur darauf wartet, dich im Schlaf zu töten! Er- Grinsend schaute er von dem Buch auf und schielte zu seinem besten Freund, der neben ihm saß und versuchte, die Zaubertränkehausaufgaben zu erledigen. Klar, Ron und ein Vampir, oder Werwolf! Er vertiefte sich wieder in seine Lektüre, als sich plötzlich ein Schatten in sein Gesichtfeld drängte. Dann spürte er hinter sich die Anwesenheit einer Person und drehte leicht den Kopf nach hinten, um zu erkennen, wer es war. Doch das war gar nicht nötig, denn der Störenfried beugte sich über ihn, so dass ihn blonde Haarsträhnen an der Wange kitzelten und zum Blinzeln brachten. „Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen? Jemand aus deinem Umfeld könnte ein derartiges Ungeheuer sein? Potter, glaubst du etwa daran?“ Harry seufzte und klappte das Buch mit einem lauten Knall zu. „Verzieh dich, Malfoy, und verschwinde aus meiner Nähe!“, knurrte der Gryffindor genervt und sah zu Ron, der das Geschehen interessiert beobachtete. „Wieso, Potter, mache ich dich nervös?“ Heißer Atem streifte den Schwarzhaarigen am Ohr und ließ ihn für einen Moment die Smaragde schließen. Dann stand er mit einem Ruck auf und wirbelte zu dem Slytherin herum. „Allerdings machst du mich nervös! Schließlich weiß man bei dir nicht genau, was man sich alles einfangen kann! Deine Slytherinkrankheiten solltest du lieber bei dir lassen!“, keifte Harry und sah hinauf in die grauen Augen, die ein paar Zentimeter höher lagen. Sie strahlten eine eisige Kälte aus, die dem Schwarzhaarigen einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Das porzellanartige, blasse Gesicht seines Gegenübers, zeigte keine einzige Gefühlsregung und selbst, als Malfoy begann zu sprechen, schien es, als ob er völlig unbeweglich blieb. „Slytherinkrankheiten? Ich verstehe nicht, was du meinst?! Aber vielleicht spielst du auf das Buch an?“ Der Blonde beugte sich vor, immer weiter, so dass Dracos Lippen nur noch Millimeter von Harrys entfernt waren. Er streckte die Hand aus und schnappte sich hinter ihm das Buch. Nun zierte ein breites, hämisches Grinsen die blassrosa Lippen des Slytherins, der sich wieder von Harry entfernte und auf das Buch klopfte. „Ich denke, die Lektüre ist für einen Gryffindor nichts! Du weißt es nicht zu schätzen!“ Mit diesen Worten verschwand Draco mit wehendem Umhang a la Snape aus der Bibliothek und ließ zwei verwirrte Gryffindors zurück. „Wie meint er das? Wieso Anspielung auf das Buch?“, fragte Ron irritiert und kratzte sich nachdenklich an der Stirn. „Ich weiß es nicht, Ron. Aber etwas stimmt nicht… und wieso darf Malfoy das Buch mitnehmen? Es gehört in die Verbotene Abteilung!“, flüsterte der Schwarzhaarige und Ron zuckte nur mit den Schultern. „Keine Ahnung, Alter. Vielleicht kann Hermine damit etwas anfangen.“ Genau in diesem Moment tauchte auch schon das braunhaarige Mädchen auf. „Harry, Ron, seid ihr immer noch nicht mit euren Zaubertränkeaufsätzen fertig? Was ist bloß los mit euch?“, schimpfte sie und wackelte missbilligend mit dem Zeigefinger. „Herm, darum geht es jetzt nicht! Harry, erzähl es ihr!“ Die Gryffindor sah von Einem zum Anderen und setzte sich den Jungen letztendlich gegenüber. Sofort sprudelte es aus Harry heraus und er gestikulierte dabei unterstützend mit den Händen. „Ok, Ok! Und dieses Buch hat jetzt Malfoy mitgenommen? Harry, wie bist du eigentlich daran gekommen? Ich glaube nicht, dass du eine Erlaubnis dafür hattest!“, erriet das braunhaarige Mädchen und der Schwarzhaarige senkte den Kopf. „Herm… du kennst mich doch!“ „Ja, das ist ja das Problem.“, stöhnte sie und wedelte mit der Hand. „Ok, das ist jetzt unwichtig… die entscheidende Frage ist: Wieso nimmt dir Malfoy das Buch weg? Was hat er davon? Wird das Buch bei ihm gefunden, kriegt er mächtigen Ärger. Dir kann er es dann nicht mehr anhängen!“ „Hermine, worauf willst du hinaus?“ „Sagt mal, sah er irgendwie geschockt oder entsetzt aus, als er erkannte, welche Buch du gelesen hast?“ „Nein, im Gegenteil, er machte sich sogar lustig darüber! Aber ehrlich gesagt, Malfoys Maske sitzt zu perfekt, als das er Entsetzen zeigen würde.“, meinte Harry und bettete seinen Kopf auf seinen Armen, die auf dem Tisch lagen. „Jungs, was wäre, wenn etwas in diesem Buch steht, was niemand erfahren darf?“, lächelte Hermine verschwörerisch und näherte sich den beiden Gryffindors, die die Augen aufrissen. „Aber, Hermine, willst du damit sagen, das Frettchen wäre ein Werwolf oder Vampir? Das ist doch total blöd!“, kicherte Ron, doch sein Lachen blieb im Halse stecken, als das Mädchen ihn ernst zunickte. „Ja, wieso denn nicht? Bei Malfoy kann man es sich doch gut vorstellen!“ Harry schüttelte den Kopf und setzte sich wieder auf. „Herm, es gibt keine Vampire!“ „Warum nicht? Wieso sollte es sie nicht geben? Die Wissenschaft hat keinen speziellen Beweis für die Nichtexistenz von Vampiren! Außerdem gibt es auch Werwölfe! Seht euch Professor Lupin an!“ Dieser Einwurf war selbst für Harry und Ron überzeugend. Sie sahen sich hilflos an, während Hermine wieder von ihrem Platz aufstand. „Denkt über meine Worte nach! Aber vorher schreibt ihr den Aufsatz zu Ende! Nein, Ron, schau nicht so! Ich werde euch ganz sicher nicht helfen!“, verneinte sie und rauschte mit hocherhobener Nase davon. Ron sank auf dem Stuhl in sich zusammen und stöhnte gequält. Er musterte seine ersten zwei Sätze auf dem Pergament argwöhnisch und ließ den Kopf hörbar auf den Tisch fallen. „Alter, ich habe keinen Bock.“ „Ich auch nicht, Ron, aber wir haben keine Wahl! Wir haben es nur mit Müh und Not in den Fortgeschrittenenkurs geschafft und dort will ich auch bleiben, wenn ich meinen Beruf als Auror aufnehmen will!“ „Du hast ja Recht… aber es ist so langweilig!“ „Es hilft nichts, Ron!“, grinste Harry und suchte unter den ganzen Büchern, die auf dem Tisch lagen, nach seinem Schulbuch. „Na, los, um so eher sind wir fertig!“ **** Sie brauchten noch glatte vier Stunden, bis sie ihren Aufsatz einigermaßen beendet hatten. Müde stopften sie ihre Schulsachen unordentlich in ihre Taschen und erhoben sich. „Jetzt sollten wir aber zurück in den Gemeinschaftsraum… es ist kurz nach neun und um halb zehn haben die sechsten Klassen Ausgangssperre.“, gähnte der Rotschopf und streckte sich. „Geh du schon mal vor, Ron. Ich bleibe noch!“, antwortete Harry und drückte seinem besten Freund seine Schultasche in die Hand. „Was? Aber wieso?“ „Frag nicht, sondern geh einfach. Ich habe ja den Tarnumhang, also wird mich schon keiner entdecken!!! Ich will mich noch ein bisschen in der Verbotenen Abteilung umsehen!“ „Ok, Alter. Bis nachher!“ Harry nickte und sah sich verstohlen um. Als er niemanden in seiner Nähe erkannte, kramte er seinen Tarnumhang hervor und warf sich diesen über. Dann marschierte er zur Verbotenen Abteilung, öffnete lautlos das Gitter und schloss es anschließend wieder hinter sich. Neugierig ging er die Reihen entlang, streichelte fast zärtlich mit seinen Fingern über die Buchrücken und verharrte an einem, wenn der Titel interessant klang. So in seinen Gedanken versunken, bemerkte er nicht, wie die Zeit verging. Erst, als die Glockenuhr zwölf schlug, schrak er aus seinen Überlegungen und stellte das Buch, das er in den letzten Minuten gelesen hatte, an seinen alten Platz zurück. Er rieb sich kurz über die Nasenwurzel, rückte die Brille zurecht und verließ dann mit schnellen, aber gut durchdachten Schritten, die Bibliothek. Hastig und dennoch vorsichtig, lief er in Richtung Gryffindorturm, als er plötzlich einen undefinierbaren Laut vernahm. Wie angewurzelt blieb er stehen. Sein Atem stockte, sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Stille und Dunkelheit umgab ihn, schien ihn schier zu erdrücken. Unkontrolliert musste sich Harry an die Brust fassen, wo sein Herz in einem schnellen Rhythmus pochte. Nach wenigen Minuten, vernahm er das Geräusch schon wieder, diesmal lauter. Zögerlich setzte er einen Schritt vor den Anderen und verfluchte innerlich seine Neugierde. Statt die Treppen hoch zum Gryffindorturm zu nehmen, ging er hinab in die Kerker. Kalt und unfreundlich begrüßten ihn die steinernen, feuchten Wände, die Slytheringebiet waren. Nie würde sich jemand freiwillig dort hinunter begeben, doch sein Drang, zu wissen, was dort geschah, ließ ihn immer weitergehen. Als er in den nächsten Gang trat, blieb er geschockt stehen. Er hielt die Luft an, um nicht von den beiden Personen, die dort an der Wand standen, gehört zu werden. Eigentlich total unsinnig, da sie ihn sowieso nicht sehen konnten. Harry hatte Angst! Wieso, wusste er nicht, aber so, wie die Personen dort am Gemäuer gelehnt waren, kam es ihm nicht vor, als ob sie Zärtlichkeiten austauschen würden. Wenn es so gewesen wäre, würden seine Wangen feuerrot anlaufen und nicht ihre Farbe verlieren. Er ging einen Schritt weiter, setzte den einen Fuß vor den Anderen, ohne seine Augen von den beiden Slytherins zu nehmen. Er konnte sie ganz klar an ihren Zaubererumhängen und dem Abzeichen darauf, erkennen. Doch etwas anderes nahm ihn völlig in seinen Bann. Die eine Person, die die andere gegen die Wand drückte, hatte platinblondes Haar, war für sein Alter sehr groß, aber dennoch schlank und sehr feingliedrig. Die langen Finger lagen auf der Schulter des kleineren Mädchens, während die andere Hand in ihren dunkelblonden Haaren verkrallt war. Draco Malfoy! Nachts auf dem Gang! Mit einem Mädchen! Sicher, es ging ihm nichts an und doch drehte sich sein ganzes Denkvermögen um dieses Bildnis! Es sah so aus, als ob Malfoy den Hals des Mädchens liebkosen würde, doch warum machte er derartige Schluckbewegungen? Die Dunkelblonde schien auch vollkommen weggetreten zu sein, denn ihre Arme hingen nur leblos hinab und ihre braunen Augen sahen nur stumpf und leer an die Wand gegenüber. Etwas war hier nicht so, wie es sein sollte. Aber was war bei dem Eisprinzen von Slytherin schon normal? Immer weiter näherte sich Harry dem Geschehen, bis er nur noch die Hand ausstrecken brauchte, um Malfoy am Arm zu berühren. Er versuchte, so flach wie möglich zu atmen, damit der Blonde nichts mitbekam, doch dieser schien eine ausgeprägte Wahrnehmung zu haben, denn er ließ von dem Mädchen ab und drehte sich ruckartig um. Entsetzt stolperte er rückwärts, als er die Flüssigkeit sah, die den Slytherin den Mundwinkel hinab rann. Rot. Dickflüssig. Blut! Dass der Gryffindor durch seine panische Reaktion Geräusche verursachte, bemerkte er nicht. Er konnte nur wie gebannt auf das Blut starren. Nur nebenbei registrierte er, wie das Mädchen die Wand hinunterrutsche und ohnmächtig auf dem Boden aufkam. Seine Smaragde hingen immer noch wie hypnotisiert an den blutverschmierten Lippen des Slytherins, der sich ihm nun langsam näherte. Harrys Smaragde huschten zu den grauen Augen, die zu Schlitzen verengt waren. Sie strahlten wieder diese Kälte aus, diese Abwesenheit jeglichen Gefühls. Dieser stechende Blick legte seine gesamten Gedankengänge lahm, pinnte ihn an Ort und Stelle. Die blasse, weiße Hand des Blonden streckte sich nach ihm aus und bevor Harry reagieren konnte, wurde ihm der Tarnumhang vom Körper gezogen. Langsam glitt der feine Stoff von seiner Gestalt und erschuf bei ihm, trotz Kleidung, eine unangenehme Gänsehaut. Eine der geschwungenen Augenbrauen wurde hochgezogen und ein kleines, flüchtiges Grinsen stahl sich über die Lippen des Slytherins. Achtlos ließ er den Tarnumhang fallen und überwand den letzten Abstand zwischen dem Gryffindor und ihm. Genüsslich leckte er sich über die Lippen, nahm so die letzten Tropfen des Blutes in sich auf und strich sich eine blonde Strähne des Haares zurück. „Potter.“ Kalt, berechnend, fast drohend, unnahbar, gefühllos, unbeteiligt. Harry zitterte. Seine Unterlippe bebte, während sich seine Hände immer wieder öffneten und schlossen. Mit tellergroßen Augen beobachtete er, wie sich die Lippen des Malfoyerben den Millimeterabstand überwanden und sich dann auf seinen Mund legten. Geschockt versuchte er den Slytherin von sich zu stoßen, aber seine Gegenwehr verlief sich ins Nichts. Er wurde gegen die Wand gedrückt, ein Bein stellte sich zwischen die seinigen. Wieder stemmte er sich gegen den fünfzehn Zentimeter größeren Jungen, unterdrückte die aufsteigende Übelkeit, die dieser herzlose Kuss in ihm verursachte. Sein Magen rumpelte, verlangte nach Aufmerksamkeit, doch der Schwarzhaarige konnte nur die Augen schließen und weinen. Es entzog sich seiner Kontrolle, er fühlte sich hilflos, ausgeliefert und wollte nicht dran denken, was Malfoy mit dem Mädchen getan hatte und jetzt mit ihm vorhatte! Nein, sein Kopf wehrte sich unter großem Protest weiterzudenken! Seine Hände trommelten immer und immer wieder auf die harte Brust des Slytherins ein, dem dies nichts auszumachen schien. Der Kuss wurde fester, ungeduldiger, ja fast leidenschaftlicher. Eine Zunge suchte ihren Weg zwischen Harrys Lippen, doch dieser presste sie stur aufeinander und gab Malfoy nicht den Einlass, den dieser erhofft hatte. Der Slytherin knurrte und biss in die Unterlippe des Gryffindors. Zwei spitze Zähne bohrten sich in seine empfindliche Haut, rissen sie auf, so dass Harry Blut schmeckte. Das gab ihm den Rest. Ohne weiter darüber nachzudenken, hob er sein Knie an und traf so zielsicher Malfoys Intimbereich, der nun von seinen Lippen abließ und ein, zwei Schritte zurückwich. Darin sah der Schwarzhaarige seine Chance. Ohne weiter auf den Blonden oder auf den Tarnumhang zu achten, sprintete er den Weg zurück, den er gekommen war. „Verdammt, Potter, bleib stehen!“, schrie die kühle Stimme des Slytherins ihm hinterher, doch Harry dachte gar nicht daran! So verrückt war er nun auch wieder nicht! Er kratzte all seine Kraftreserven zusammen und flog nun regelrecht die Treppen hoch. Ihm war egal, wo er hinlief, nur weit genug weg von den Kerkern! All sein Denken war darauf gezielt, soviel Abstand wie möglich zwischen sich und Malfoy zu bringen. Sein Atem ging stockend, sein Blut rauschte in seinen Ohren und er glaubte, durch diese Geräusche, den Klang von Schritten zu vernehmen. Aber das konnte nicht sein! Er war so orientierungslos herumgelaufen, nahm mal diesen Gang, dann wieder einen anderen, dass Malfoy ihn nicht finden konnte! Treppen… nur noch Treppen vor ihm! Immer höher, immer weiter nach oben führten sie ihn und ehe sich der Gryffindor versah, gelangte er ans Ende seiner panikartigen Flucht. Gehetzt sah er sich um, erkannte mit ungewöhnlicher, innerer Ruhe, dass er auf den Nordturm gelaufen war. Jetzt saß er hier fest, einziger Ausweg, der freie Fall den Turm hinab. Natürlich konnte er die Treppen wieder hinab gehen! Aber wurde er dort bereits erwartet? Malfoy würde ihn sicher nicht mit seinem neu gewonnenen Wissen, friedlich gehen lassen! Er konnte immer noch nicht glauben, was er eben noch in den Kerkern gesehen hatte. Hermine war mal wieder die gewesen, die alles durchblickt hatte. Malfoy war ein Vampir! Wieso sonst hatte er Blut am Mund gehabt? „Potter, das ist wirklich ungezogen von dir, einfach davonzulaufen!“ Nein! Es durfte nicht sein, er konnte es nicht sein! Harry wirbelte herum und sah sich einem lächelnden Draco Malfoy gegenüber. Er lehnte lässig am Türrahmen und musterte den Gryffindor mit grauen Sturmböen. Dann stieß er sich ab und ging gemächlich auf den Schwarzhaarigen zu, der zurückschreckte und dann gegen die Mauer stieß, die ihn vor dem Fall schütze. „Hast du Angst vor mir, Potter? Welch Ehre! Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich so etwas schon früher durchgezogen.“ Das kleine Lächeln des Blonden, wurde zu einem breiten, amüsierten Grinsen, das allerdings nicht seine Augen erreichte. Sie blieben hart, ausdruckslos, unwirklich. „W-was w-willst du, M-Malfoy?“, stotterte Harry, dessen Kehle wie zugeschnürt schien. Seine Worte klangen abgehackt, atemlos. Man konnte die nackte Panik heraushören. Für den Slytherin musste er wie ein gejagtes Tier erscheinen, das keinen Ausweg fand. So fühlte er sich auch! Gehetzt sah er sich um, tastete über die steinerne Mauer hinter sich. Dann sprang er auf sie und näherte sich dem Abgrund. Warum er das tat, verstand er selber nicht! Er konnte nicht mehr vernünftig denken! Die Angst hatte sich seiner bemächtigt, schaltete alle logischen Gedanken aus, die er auch nur zu fassen versuchte. „Potter, du solltest deinen Verstand einschalten und dort herunter kommen. Du wirst in den Tod stürzen!“, sprach Malfoy gleichgültig und neigte den Kopf, während er mal wieder eine Augenbraue hochzog. Harry konnte darauf nicht antworten. Er konnte nur den Blonden fixieren, der wieder näher kam. Wieder stolperte er einen Schritt zurück und vergaß den Abgrund, der sich hinter ihm auftat. Es sollte sein Verhängnis werden! Sein Fuß trat ins Leere. Er verlor das Gleichgewicht, ruderte noch einmal mit den Armen, bevor er einfach fiel. Er streckte noch seine Hand aus, sah Malfoy, wie er es ihm gleich tat. Kurz berührten sich die Finger, graue Augen trafen auf grüne Smaragde. Für einen kurzen Augenblick spiegelte sich Fassungslosigkeit in den Sturmböen, doch diese Gefühlsreaktion verschwand und ließ eine unendliche Leere in Harry zurück, der immer noch nicht begreifen konnte, was hier mit ihm passierte. Sein Gehirn begriff einfach nicht, dass er gleich auf dem Boden aufschlug, sich sämtliche Knochen brechen oder einfach sterben würde. Nein, das war jetzt unwichtig! Er hatte etwas gesehen, das wohl sonst niemand auf Hogwarts erleben durfte! Diese grauen Augen hatten ihm Emotionen gezeigt! Ein kleines Lächeln huschte über Harrys kalte Lippen, bevor er den Boden erreichte. Der Aufprall war hart, schmerzvoll, aber nicht tödlich… noch nicht. Still lag er im feuchten Gras, roch die braune Erde unter sich, schmeckte das Blut in seinem Mund, hörte die Blätter seicht im Wind rauschen und sah die Sterne über ihm leuchten. Nur fühlen konnte er nichts. Er wollte seinen Arm heben, doch sein Körper kam dem Befehl seines Gehirns nicht nach. Harry schluckte sein Blut herunter und versuchte den Kopf zu drehen, ohne Ergebnis. Er schluchzte auf. Er musste sich eingestehen, dass seine Wirbelsäule gebrochen sein musste, sonst würde er doch irgendetwas fühlen, oder einen Finger bewegen können. Seine Smaragde wanderten zum Nordturm, blieben an den schwarzen Umrissen der Gestalt haften, die auf der Mauer stand und auf ihn nieder blickte. Welche Niederlage, was für ein beschämender Abgang, ein lächerlicher Tod. Doch was sollte er jetzt tun? Malfoy würde sicher keine Hilfe holen. Schließlich würde er damit sich selbst verraten und durfte auf eine Strafe, wegen Verstoß gegen die Ausgangsperre, erwarten. Nein, so dumm war der Slytherin nicht. Immer auf ihren eigenen Vorteil bedacht und Harry konnte ihm noch nicht einmal böse sein. Plötzlich erschien ein Schatten in seinen Augenwinkeln. War der Blonde doch zu seiner Rettung geeilt? Nein, unwahrscheinlich. Das Geräusch von Schritten, dann Stille. Wer war bei ihm? Ein Gesicht, das sich in sein Sichtfeld schob. Er kannte ihn. Der Gryffindor lächelte. Er leckte sich über die aufgebissene Lippe, versuchte den Namen der Person zu formen, die anscheinend neben ihm kniete. „Sag nichts! Das könnte dein Ende sein!“ Die Stimme klang schwach, ängstlich, fast ungläubig. „Harry, du wirst sterben! Nicht mal die besten Heiler, Tränke oder Zauber können dir noch helfen. Es tut mir leid.“ Mitleid, Angst, und… war da ein Funken Hoffnung? Seine Smaragde bohrten sich in die bernsteinfarbenen Augen, die sich geschockt weiteten. „Nein, sieh mich nicht so an! Das will ich dir nicht antun!“ Entsetzen, Abneigung, Ekel… Wieder ein fester Blick in die braunen Augen. „Harry, weißt du, was du da verlangst?“ Und ob er es wusste. Er war verdammt noch mal sechzehn Jahre alt. Er wollte leben! Leben, sich einmal wirklich verlieben, mit einem schönen Mädchen seine Unschuld verlieren! So sollte und durfte es nicht enden! Sein Gegenüber wusste das ganz genau. „Oh, Harry…“ Resignation, Zustimmung… und väterliche Liebe. Sein Retter beugte sich über ihn, berührte ihn vorsichtig, als ob er aus Porzellan bestand, an der Wange. Immer näher kam ihn der Andere, näherte sich seinem Hals, zog scharf die Luft ein. „Du wirst mein erstes Kind sein… und mein Einziges… Du weißt, was du hier von mir verlangst?! Du lässt mich meinen Schwur brechen!“ Harry versuchte zu lächeln. Natürlich kannte er jeden dieser Hintergründe. Aber er wollte doch nur leben! Selig schloss er seine grünen Augen, versuchte an etwas anderes zu denken, als an die messerscharfen Zähne, die sich in sein Fleisch gruben, seine Adern zerrissen und eine Flüssigkeit in ihn absonderten, die seinen Körper zum Prickeln brachte. Nach Sekunden, war es vorbei. Sein Retter ließ von ihm ab, wischte sich mit der Robe den Mund ab und musterte ihn mit liebevollem Blick. „Es wird wehtun.“ Also ob sein Körper auf die Aussage gewartet hätte, begann sein Innerstes zu brodeln. Seine Knochen knirschten, schienen sich anscheinend zusammenzusetzen, während mehr und mehr Gefühl in den Körper des Gryffindors zurückkehrte. „Scheiße.“, zischte er zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor und krümmte sich zusammen. Dass er sich wieder bewegen konnte, zählte momentan nicht für ihn. Nur dieser alles umfassende Schmerz füllte sein Dasein aus. Er biss sich auf die Zunge, unterdrückte die Schmerzensschreie, die nach draußen dringen wollten. Dann zog ihn jemand an einen warmen Körper, umarme ihn, streichelte seinen Rücken und murmelte ihm immer wieder beruhigende, aber sinnlose Wörter zu. Sofort kuschelte sich der Schwarzhaarige mehr in die Umarmung und seufzte. Der Schmerz wurde so erträglicher, jetzt, wo jemand bei ihm war, ihn beschützte und zu ihm stand. Nach etlichen Minuten klang der Schmerz ab und zurück blieb nur eine wohltuende Wärme, die ihn fast einschlafen ließ. „Harry, öffne deine Augen.“ „Hn.“, murrte der Gryffindor leise an der Brust seines Retters und zwinkerte dann müde. Etwas desorientiert setzte er sich auf, wischte sich über die Augen und stellte fest, dass seine Brille fehlte. „Sehe, sehe mit den Augen eines neugeborenen Werwolfes!“, flüsterte Remus Lupin, Professor für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, in das Ohr seines Schützlings, seines Kindes. ~~~~TBC~~~~ ...vielleicht... eure Entscheidung... Kapitel 1: Plagen eines Werwolfes --------------------------------- So... nach langer langer Zeit das erste Kapitel. Ich hoffe, es wird euch gefallen und hinterlasst mir ein Kommi^^" ... bitte >.< 1. Plagen eines Werwolfes Schmatzend lag Harry in seinem Bett und lächelte selig vor sich hin. Er spürte die Sonnenstrahlen auf seinem Gesicht und rieb sich kurz über die Nasenwurzel, bevor er sich von der einen, zur anderen Seite drehte. Plötzlich stieg ihm ein Geruch in die Nase, der ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Er hob leicht den Kopf und schnupperte halb im Schlaf. Dann stand er auf, öffnete die Augen zur Hälfte und ging langsam auf einen Käfig zu, der seinen Platz am Fenster hatte. Ja, der verführerische Geruch kam von dort. Er lockte ihn, lenkte ihn und schaltete seinen Verstand aus. Seine Hand streckte sich gierig dem Käfig entgegen, in deren Innern nun ein ängstliches Schuhuen ertönte. Der Schwarzhaarige registrierte es gar nicht, sondern öffnete zittrig die Tür des Käfigs und führte seine Hand langsam hinein, um nach der weißen Eule zu greifen, die sich in die Ecke zwängte. „Ähm, Harry, was wird das, wenn es fertig ist?“, erklang die verschlafene Stimme des Rotschopfes, der hinter den Goldjungen auftauchte und sich das linke Auge rieb. Der Angesprochene zwinkerte, starrte seine Hand an, bewegte die Finger und zog sie letztendlich zurück. „Ron… ich… keine Ahnung… Sie roch so verführerisch…“, nuschelte der Schwarzhaarige schuldbewusst und warf Hedwig einen entschuldigenden Blick zu, doch sie schaute ihn nur vorwurfsvoll an und vergrub ihren Kopf in ihrem Federkleid. „Verführerisch? Hä?“, meinte der Weasley und kratzte sich an der Schläfe. „Na ja, sie roch so wie ein leckerer Schweinebraten… oder so…“, lächelte Harry verunglückt und zuckte dann nur mit den Schultern. „Harry, bist du letzte Nacht irgendwie auf den Kopf gefallen, oder so?“ Entsetzt schrak der Schwarzhaarige zusammen, wirbelte zu Ron herum und schloss für wenige Sekunden die Smaragde. Er konnte sich wieder an die letzte Nacht erinnern. An jedes noch so kleine Detail. Das Buch, Malfoys Begegnung in den Kerkern, der gefühllose Kuss, die Flucht auf den Nordturm, der eigentlich tödliche Fall und letztendlich… ja, letztendlich Remus Lupin, der ihm ein zweites Leben geschenkt hatte. Er war nun ein Werwolf! Harry seufzte resignierend, stiefelte ins Bad und schlug die Tür hinter sich zu. Schnell riss er sich die Kleider vom Leib und musterte sich eingehend im Spiegel, der eine komplette Wand des Bades einnahm. Er drehte und wendete sich, fuhr sich mit den Fingern über die Brust, drückte sich auf die Muskeln des Bauches und strich die Oberarme auf und ab. Nervös legte er den Kopf zur Seite, um die Bisswunde zu mustern, die ihm Remus verpasst hatte. Aber sie war nicht mehr da, kein Blut, noch nicht mal Narben! Fassungslos schüttelte er den Kopf und pustete sich eine Strähne des Haares aus dem Sichtfeld. Noch einmal drehte er sich um sich selbst und schaltete dann die Dusche ein. Erst nach einer halben Stunde kam er aus dem Bad heraus, schmiss das Handtuch auf das Bett und zog sich gemächlich frische Kleidung an, während Ron, der auf seinem Bett saß, ihn beobachtete. „Sag mal, Harry, bist du gewachsen?“, fragte der Rotschopf nach einer Weile und holte unter dem Bett eine Packung Bertie Botts Bohnen in jeder Geschmacksrichtung hervor. Genüsslich schob er sich eine in den Mund und kaute gemächlich darauf herum. „Gewachsen? Wer weiß, ich bin schließlich noch ein Teenager und deshalb im Wachstum.“, flötete der Goldjunge sichtlich gut gelaunt und sprang in seine schwarzen Turnschuhe. „Hey, Alter, ich gehe schon mal frühstücken. Ich habe Kohldampf!“ „Ja, das hat man gesehen. Arme Hedwig.“, lachte der jüngste Weasleysohn. Doch der Schwarzhaarige fand das alles andere als komisch. Er warf seinem besten Freund einen wütenden Blick zu, der allerdings so schnell verschwand, wie er gekommen war. Dann erwiderte Harry das Lächeln, winkte noch einmal und rannte hinunter in den Gemeinschaftsraum. **** Hungrig und mit hängendem Bauch bis in die Kniekehlen, betrat er die Große Halle und stockte in der Bewegung. Die verschiedensten Gerüche bestürmten ihn, überfielen ihn unvorbereitet und Harry konnte nicht anders, als einige Schritte zurückzutaumeln. Er stolperte und fiel in zwei starke Arme, die ihn urplötzlich an eine Brust drückten. Tief atmete der Gryffindor ein und aus, versuchte den Gerüchen habhaft zu werden, indem er sie verdrängte und drehte sich langsam, sehr langsam, herum. Er wusste schon, bevor er ihn überhaupt angesehen hatte, wer ihn vor dem Fall gerettet hatte, denn nun füllte dessen Geruch sein ganzes Denken aus. Ein Geruch, der ihm noch nie so bewusst gewesen war, etwas, das nach unbegrenzter Freiheit roch, nach sommermorgendlichen Tau, oder nach einer Blüte, die in der Frühlingssonne zaghaft und ängstlich, ihre Blüten öffnete. Es roch nach Unschuld, nach Frieden, nach Ruhe und Geborgenheit. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, als er den Stück Stoff, den er sich an die Nase gedrückt hatte, losließ. Er öffnete die Augen, die er geschlossen hatte, und sah zu dem anderen hinauf, der eine Augenbraue hochgezogen hatte und ihn stirnrunzelnd betrachtete. Harry zwinkerte, rieb sich einmal über die Augen und starrte dann erschrocken den Slytherin an, aus dessen Armen er sich nun befreite. Er hatte sicherlich schon gewusst, dass es Malfoy war, der ihn gehalten hatte, doch ihn auch wirklich vor sich zu sehen, war ein regelrechter Schock, der ihn bestimmt um ein paar Jahre hatte altern lassen. Verwirrt schüttelte der Gryffindor den Kopf. Wie konnte jemand, der so kalt, so arrogant, so fies… so vampirisch war, so gut riechen? Er war ein Vampir, ein Mörder! Vorsichtig suchten seine Smaragde die grauen Sturmböen seines Gegenübers, der nun die Arme verschränkt hatte und ihn unbewegt ansah. Kein böses Wort, kein abschätzender Blick wurde ihm entgegen geschleudert. Nur so etwas wie unterdrückte Neugier, erfüllte die Augen des Malfoys, der plötzlich schnaubte und Harry sanft über die Wange streichelte. „Schön, dich lebendig zu sehen, mein kleines Wölfchen. Nun können ja unsere Spielchen in die nächste Runde gehen!“, hauchte der Blonde offen lächelnd und ging dann einfach an ihm vorbei. Der Gryffindor blieb lange Zeit, starr vor Schreck, an Ort und Stelle stehen. Seine Hände, die sich in seinen Pullover verkrampft hatten, zitterten. Langsam, fast zeitlupengleich, wandte er sich zum Slytherintisch herum und suchte das blasse, zierliche Gesicht einer bestimmten Person. Doch dieser schien ihn längst schon wieder vergessen zu haben, denn er unterhielt sich angeregt mit Blaise Zabini, der schmunzelte und nickte. Harry wollte sich abwenden, als er plötzlich die intensiven, grauen Augen des schwarzhaarigen Slytherins auf sich spürte. Unverhohlen erwiderte er den Blick, neigte kurz den Kopf und hastete dann zum Gryffindortisch. Mit großen Augen stierte er die belegten Wurstbrötchen an und schnappte sich sofort drei Hälften, die er sich auf den Teller legte. Er ignorierte die Blicke seiner Hauskameraden geflissentlich und biss herzhaft in eine Hälfte mit Salami. Freudig stieß er einen Laut der Verzückung aus und schob sich den Rest ganz in den Mund. Er schloss genussvoll die Augen und stützte seinen Kopf mit der linken Hand ab. Vergessen war die peinliche Situation mit Malfoy, weit weg war dieser ungewöhnliche Augenkontakt mit Zabini. Es zählte nur noch das Essen, oder um genauer zu sein: die Wurst! Eigentlich aß er zum Frühstück nie Fleisch, aber heute hatte er einen unwiderstehlichen Drang danach. Sein Körper zwang ihn praktisch dazu und wieso sollte er sich widersetzen? Wieder nahm er ein weiteres Brötchen in die Hand und wollte gerade hinein beißen, als Neville ihn an die Schulter antippte. Mit fragendem Blick ruckte er zu dem dunkelblonden Jungen herum. „Hm?“ „Na ja, Harry, ich wundere mich… Seit wann kannst du etwas essen, wenn du ein Quidditchspiel vor dir hast?“ Harry zuckte wie unter einem Peitschenhieb zusammen und ließ das Brötchen fallen. „Was ist heute?“, krächzte der schwarzhaarige Gryffindor und starrte Neville nur ungläubig an. „Das Spiel Gryffindor gegen Ravenclaw“, meinte der tollpatschige Junge nur und lächelte verlegen. Der neugeborene Werwolf konnte nur seufzen und vergrub sein Gesicht zwischen den Armen. Wie konnte er das nur vergessen? Noch nie hatte er ein Spiel vergessen! Gedanklich meuchelte Harry sich mit vielerlei Gerätschaften, die einen Slytherin sicher in Verzückung versetzt hätte. Doch dann griff der Goldjunge wieder nach dem Brötchen. „Was soll’s?! Ich habe jetzt nun mal Hunger und werde deshalb etwas essen!“ Und damit war das letzte Wort des Gryffindors gesprochen. Allerdings bemerkte er nicht, wie Remus Lupin ihn besorgt beobachtete und nervös mit den Fingern spielte. Doch da war er nicht der Einzige, dessen Aufmerksamkeit auf dem schwarzhaarigen Jungen ruhte, denn zwei graue Sturmböen ließen den Kleineren nicht aus den Augen und registrierten jede kleine Bewegung. **** „Guten Morgen, Harry!“ Der Angesprochene sah von seinem Teller auf und schenkte dem braunhaarigen Mädchen, das ihn begrüßt hatte, ein liebreizendes Lächeln. „Morgen, Mine!“, schmatzte der Schwarzhaarige und klopfte mit der Hand auf den freien Platz neben sich. Die Gryffindor lächelte und nahm das Angebot ihres Freundes an. „Harry, du hast ja mal am Morgen gute Laune?! Wie kommt’s? Was ist passiert? Etwas, das ich wissen sollte? Hat sich etwas verändert?“ Harry stutzte, schaute an sich herab, fuhr mit seiner Zunge über die Zähne, um die Krümel loszuwerden und nickte. „Verändert? Hm… oh ja, definitiv.“, grinste der Goldjunge und lachte dann unverschämt. „Ähm, Hermine… Ich… ich… will ja nicht unverschämt oder so etwas sein, aber irgendwie riechst du heute komisch…“, meinte der Schwarzhaarige nach einiger Zeit des stillen Essens und schnupperte. „Riechen? Ich weiß nicht, was du meinst“, antwortete Hermine und sah sichtlich irritiert ihren Freund an, der sich nun zu ihr rüber beugte und sich abwärts schnupperte. „He, Alter, was ist los?“, fragte Ron, der sich Harry und Hermine gegenübersetzte und interessiert die Beiden beobachtete. „Kumpel, riechst du das nicht? … Mine, das ist doch Blut!“, schnüffelte der Goldjunge und war nun in ihrem Schoß angekommen, als das braunhaarige Mädchen plötzlich in die schwarzen Haare griff und den Kopf gegen die Tischplatte stieß. „Verdammt, Harry, was soll das?!“, japste sie erschrocken und drückte ihre Schenkel zusammen, während sie rot anlief. „Ich… ich habe meine Tage!“, murmelte sie weiter und senkte den Blick. Harry dagegen rieb sich schmerzerfüllt den Kopf und knurrte auf. Ruckartig drückte er seine Hand auf den Mund und ruckte mit den Kopf nach oben. „Ähm, Herm, tut mir leid… ich gehe jetzt am Besten!“, spulte der Schwarzhaarige herunter und sprang regelrecht von seinem Platz auf und hastete zum Ausgang der Großen Halle. Dort traf er auf Lupin, der ihn am Ärmel packte und außerhalb der Halle, in einen dunklen Gang zerrte. „Harry, beherrsch dich!“, warnte Remus den neugeborenen Werwolf, der nun verzweifelt die Haare raufte und dann den Braunhaarigen wütend mit Blicken erdolchte. „Beherrschen? Wie denn? Diese ganzen Gerüche… das macht mich fertig! Was wird als nächstes passieren? Werde ich als räudiger Hund enden, der so spitz ist, das er den Mädchen hinterher läuft?“ Lupin musterte ihn nachdenklich und schwieg Minuten, bis er seufzte und gleichzeitig den Kopf schüttelte und nickte. „Nun ja, wenn ich ehrlich bin…“, setzte Remus an, vollendete allerdings nicht den Satz und lächelte verunglückt. „Wieso immer ich? Wieso muss mir das alles immer passieren? Gott muss eine emanzipierte Frau sein, die es den Männern heimzahlen will!“, jammerte Harry und schlug seinen Kopf gegen das Gemäuer. „Ach, Harry, so schlimm ist es nicht! Schließlich hast du noch deinen eigenen Willen! Also wirst du ihnen nicht hypnotisch hinterherlaufen.“ „Na, dann bin ich beruhigt… aber was soll ich machen? Heute Morgen hätte ich beinahe Hedwig wehgetan. So geht das doch nicht!“, seufzte der Schwarzhaarige und schreckte zusammen, als Lupin ihm eine Hand auf die Schulter legte. „Harry, du bist erst seit gestern ein Werwolf. Man braucht eine ungewisse Zeit für die Eingewöhnung. Du bist wie ein Welpe, der erst lernen muss, sich zurecht zu finden. Am Liebsten hätte ich dir all das erspart… aber ich wollte dich nicht sterben lassen. Es tut mir leid.“, flüsterte Remus zerknirscht und wandte sich zum Gehen um, doch Harry hielt ihn auf und warf sich dem Mann in die Arme. „Nein, Remus, bitte, mach dir keine Vorwürfe, ich wollte es doch! Und trotz diesen lästigen… Begleiterscheinungen, bin ich dir sehr dankbar! Du.. du bist der Einzige, der mir noch geblieben ist… Sirius ist tot…“, hauchte Harry verlegen und krallte sich in die geflickte Robe des Verteidigungslehrers. Dieser lächelte glücklich und umarmte den Jungen, der für ihn wie ein Sohn war. „Ich werde immer auf dich aufpassen, schließlich bist du mein Kind, du bist mein Jünger, mein Vermächtnis, mein kleines Wölfchen!“ Bei den letzten Worten zuckte der Schwarzhaarige zusammen und löste sich von dem Professor. „Remus, Malfoy… er weiß es! Er muss es wissen! Er nannte mich `mein kleines Wölfchen`, wie du! Aber woher?“, rasselte Harry herunter und schnappte am Ende nach Luft. „Aber, Harry, du hast mir gestern Nacht doch noch erzählt, dass er ein Vampir ist.“ „Ich hätte nicht gedacht, dass es Vampire wirklich gibt… Sie sind kein Mythos…“ „Nein“, antwortete der Braunhaarige bitter. „Sie existieren… seit Abertausenden Jahren. Sie sind wie Parasiten, die sich immer weiter vermehren!“ Interessiert neigte der Goldjunge den Kopf und kaute auf der Unterlippe herum. „Dann sprach das Buch die Wahrheit. Vampire und Werwölfe führen einen Krieg?!“ „Ja, ebenfalls seit tausenden Jahren, doch wann und wo er begann… das weiß niemand mehr. Ah, du willst wissen, warum hier in Hogwarts anscheinend Friede herrscht? Ein stilles Einverständnis, denn auch unsere Völker wollen, dass unsere Kinder eine gute Ausbildung erhalten. Vampire und Werwölfe haben eine Gemeinsamkeit: Sie lieben ihre Kinder abgöttisch… Nun, ja, genug jetzt! Das Spiel beginnt bald!“ Der Werwolf lächelte, klopfte dem Jungen auf die Schulter und wollte aus dem Gang hinaustreten, doch Harry plagte noch eine Frage. „Gibt es keine Möglichkeit, diesen Krieg zu beenden, damit Frieden herrscht?“ Gespannt starrte der Schwarzhaarige den Rücken des Mannes an, der tief ein- und dann ausatmete, um eine Antwort auf die Frage hinauszuzögern. „Nun, es gibt eine Prophezeiung… aber niemand glaubt mehr daran.“ Mit diesen Worten verschwand der Professor und ließ einen nachdenklichen Jungen zurück, der langsam an der Wand hinabrutsche und die Arme um seinen Körper schlang. Seine Gedanken schweiften weit weg, vergaßen das Quidditchspiel, das bald begann und kreisten immer wieder über Werwölfe und Vampire. Er konnte es immer noch nicht ganz begreifen, dass er kein Mensch mehr war. Er gehörte nun einer anderen Spezies an und sein Gehirn weigerte sich mit Kopfschmerzen dagegen, dies einfach hinzunehmen. Harry knurrte, wuschelte sich durch die Haare und haute mit der rechten Faust gegen die Wand. „Das ist doch alles ein beschissener Traum, den mein krankes Gehirn produziert hat, um mich in den Wahnsinn zu treiben! Ich kann mir echt etwas Besseres vorstellen!“ „Nun, da stimme ich dir zu.“, ertönte plötzlich eine Stimme vom Ende des Ganges, an deren Mauer gelehnt ein Junge mit langen, schwarzen Haaren stand und keck grinste. Er stieß sich ab und ging mit eleganten Schritten auf den Gryffindor zu, der die Augen zusammenkniff und ihn kritisch entgegen sah. „Es gibt viele schöne Träume und ich habe davon jede Menge, in denen manchmal sogar du auftauchst, mein lieber Potter. Die sind ganz besonders schön!“, schmunzelte der Slytherin verführerisch und strich sich eine Strähne des langen Haares nach hinten. Mit Genugtuung registrierte er, wie Harry rötlich anlief und den Kopf leicht zur Seite neigte. „Ha ha, witzig, Zabini, sehr witzig.“, grummelte der Goldjunge und erschrak dann, als kalte Finger über seine erhitze Wange strichen. „Was Professor Lupin gesagt hat, ist nicht ganz richtig! Es gibt Vampire und Werwölfe, die an die Erfüllung der Prophezeiung glauben! Und ich bin einer davon!!!“, hauchte der Slytherin und strich mit seiner Hand weiter den Hals hinab. Sanft fuhren sie die Konturen der Halsschlagader entlang, während die eisblauen Augen den Blick der grünen Smaragde festhielten. „Die Prophezeiung spricht von einem Werwolf und einem Vampir, zwei Kinder, die so unterschiedlich sind, wie ihre Art. Doch sie überwinden diese Barriere und bringen den erhofften Frieden, den sich Vampire und Werwölfe wünschen.“ „Wieso erzählst du mir das, Zabini?“, murmelte Harry mit zittriger Stimme, während er sich gegen die harte Wand hinter sich drückte. In diesem Moment beschlich ihn ein eigenartiges Gefühl, ein Gefühl, das zwischen Angst, Erkenntnis und Unglauben hin und her sprang. „Warum?“ Der Slytherin lächelte matt und senkte die Hand. „Weil du danach ausgesehen hast, als ob du es unbedingt wissen möchtest. Ihr Gryffindors seid so neugierig, das es schon wieder beinahe süß ist.“ „Hä?“ Der neugeborene Werwolf runzelte die Stirn und starrte sein Gegenüber dümmlich an. „Bei Slytherin! Und ihr Gryffindors seid schon wieder so idiotisch, dass es beinahe faszinierend wirkt.“, seufzte Zabini und verdrehte die Augen. Doch dann grinste er, beugte sich zu dem Goldjungen hinab und presste seine Lippen auf die geröteten Wangen des Gryffindors, der kurz davor stand, durchzudrehen. „Ruhig bleiben, kleiner Welpe, sonst tust du dir weh, und das wollen wir doch nicht. Außerdem würde mir ein verliebter Vampir die Zähne ziehen, wenn dir etwas geschehen sollte.“ „Wie?“ Harry war verwirrt. Verwundert kratzte er sich am Kopf und versuchte den Slytherin zu verstehen, der die Hand zum Gruß hob und verschwand. „Was wollte der jetzt? Kleiner Welpe, so ein Blödmann!“ Nachdenklich verschränkte er die Arme vor der Brust und trippelte mit dem rechten Fuß herum. Viele Minuten stand er einfach so da und ordnete die neuen Informationen in seinem Kopf. Doch er gab diesen Versuch schnell auf und zuckte die Schultern. Wozu sich plagen, wenn sich sowieso immer alles fast von selbst löste? Er hatte wahrlich nicht die Lust und die Zeit dazu. Zeit… Irgendwas war doch noch… „Das Quidditchspiel!“, fluchte Harry starr vor Schreck und schlug seine Stirn gegen das Gemäuer. Knurrend spie er einige nicht jugendfreie Verwünschungen gegen sich selbst aus und trat mit eiligen Schritten aus dem Gang. Gehetzt sprintete er auf den Ausgang des Schlosses zu und sprang die Treppen hinab. Ruckartig blieb er stehen, als er die Hogwartsschüler sah, die ihm entgegen kamen. Viele mit Gryffindor- oder Ravenclawschals, mit beschrifteten Schildern und vorneweg Luna Lovegood, die diesmal einen Rabenkopfhut auf hatte. „Ja, Harry, wo warst du denn? Wir haben dich beim Spiel vermisst!“, begrüßte ihn die Ravenclaw und schielte ihn über die großen Brillengläser hinweg, an. „Ist… ist das Spiel schon vorüber?“, fragte der Gryffindor zögerlich und senkte schuldbewusst den Kopf. „Ja, du konntest froh sein, das Ginny deinen Platz eingenommen hat. Zum Glück haben wir aber trotzdem gewonnen. Ginny sollte den Job als Sucher öfter übernehmen.“ Harry zuckte zusammen. Dieser Satz schmerzte. Und es noch aus dem Mund seines besten Freundes zu hören, tat doppelt weh. Langsam hob er wieder den Blick, aber drehte den Kopf wieder schnell weg, als er in den Augen von Ron den Vorwurf erkannte. „Wo warst du nur? Neville meinte, er hätte dich vorhin in einem Gang mit Zabini gesehen?! Ihr sollt sehr nahe beieinander gestanden haben?! Seit wann gibst du dich mit Schlangen ab?“ „Ron, was soll das? Ich… ich habe das doch nicht mit Absicht gemacht! Ich-“ „Ach, rede doch nicht! Hast dich doch mit dem Slytherin amüsiert, oder?“, unterbrach der Weasley den Schwarzhaarigen, der erschrocken einen Schritt zurückstolperte. „RON!“, erklang plötzlich die Stimme von Hermine, die nun neben Harry stand und diesem an der Hand nahm. „Spinnst du? Wie kannst du deinem besten Freund so etwas an den Kopf werfen?!“ Der Werwolf sah kurz dankbar zu seiner Freundin, die wie eine Furie vor Ron stand und diesen mit mörderischen, braunen Augen anfunkelte. „Du hast doch keine Ahnung! Er benimmt sich doch schon seit Tagen komisch! Und seit heute Morgen besonders! Er scheint irgendwie die Schlangen anzuziehen! Erst Malfoy und jetzt Zabini! Seit wann bist du denn die Haushure von Slytherin?“ Das war zu viel für Harry. Ohne weiter darüber nachzudenken, ohne einen Gedanken an die Zuschauer um sich herum zu verschwenden, ballte er seine freie Hand zur Faust, holte aus und ließ sie dann mit voller Geschwindigkeit gegen die linke Wange des Rotschopfes krachen. Unter diesem Druck knickte Ron ein und fiel mit einem lauten Plumpsen auf die Erde. „Potter!“, schrie der Weasley leicht benommen und rieb sich die rote Wange, die langsam anschwoll. „Und du warst mein bester Freund! Was ist nur mit dir los? Ich verstehe es nicht! Vorhin waren wir noch unzertrennlich und jetzt siehst du mich mit solchem Hass in den Augen an. Was habe ich dir getan?“, schluchzte der Goldjunge und ließ den Tränen freien Lauf. Er lächelte schwach und schüttelte den Kopf. „Du hast doch keine Ahnung! Ich hätte mich nie mit dir abgegeben. Aber du bist Harry Potter! Also warum nicht der anscheinend beste Freund des Helden der Zaubererwelt werden?“ „Du hast mich ausgenutzt.“ Harry lachte tonlos auf. „Nur ausgenutzt. Wie erbärmlich. Und ich war so naiv und blind, und habe es nicht bemerkt… Meine Güte, Zabini hatte recht! Uns Gryffindors und besonders mich, als idiotisch zu bezeichnen… ich bin wirklich ein vollkommener Idiot!“ Den letzten Satz schrie er und löste sich von Hermines Hand, die ihn nur mitleidig und traurig hinterher sah, als er davon rannte. **** Seit Stunden saß er schon in der hintersten Ecke der Bibliothek. Er hatte keine Tränen mehr, um wirklich noch weinen zu können. Seine Smaragde starrten einfach stur gerade aus, während sein Gehirn immer und immer wieder die Worte des Rotschopfes wiederholte. Er verstand es einfach nicht! Die ganze Situation überforderte ihn! Warum hatte Ron zu diesem Zeitpunkt sein Geheimnis verraten? Das war doch völlig untaktisch und unnötig gewesen! Es brachte ihm nichts, außer wenn er ihn niedergeschlagen und traurig sehen wollte? Und warum, verdammt noch mal, war er in die Bücherei geflüchtet? Das wäre doch der letzte Ort gewesen, wo er sich verstecken würde?! Vielleicht war es doch nicht so abwegig, schließlich hatte hier alles angefangen… Zumindest das ganze Thema über Vampire und Werwölfe. Ja, es hatte mit dem Buch und Malfoy begonnen… Malfoy… Harry schmunzelte. Das er gerade jetzt an dieses Frettchen denken musste... Vollkommen abstrus. „…Harry?“ Erschrocken hob der Schwarzhaarige seinen Kopf. „Harry, kann ich… kann ich mich zu dir setzen?“, fragte die Gryffindor schüchtern, während sie mit ihren Fingern spielte. „Sicher, Mine“, antwortete der Werwolf leise und beobachtete das Mädchen genau. „Harry… ich… es tut mir leid. Ron… er…“ „Schon gut, Hermine. Du hast doch keine Schuld, also mach dir keine Vorwürfe. Er hat mich betrogen, belogen und sich wahrscheinlich lustig über mich gemacht. Es ist ok.“ „Nichts ist Ok!!! Er hat auch mich um die Nase herumgeführt. Du bist mein bester Freund und ich dachte, er wäre es auch!“, beklagte sich das braunhaarige Mädchen und legte Harry eine Hand auf den Schenkel. Fast hätte der Goldjunge die Hand seiner Freundin weg geschlagen, doch er beherrschte sich und musterte sie stattdessen mit verletzlichem Blick. „Kann ich dir denn vertrauen? Woher soll ich wissen, dass du nicht genauso bist wie er?“ „Niemals! Du hast mich als deine Freundin angenommen, während andere mich als Schlammblut und Streberin bezeichnet haben… du warst immer ehrlich zu mir! Dein unschuldiges Lächeln hat mir immer Mut gemacht und mir gezeigt, dass es Menschen gibt, die noch die wahren, freudigen Dinge im Leben sehen. Du hast mich so genommen wie ich bin! Das zeugt von großer Charakterstärke und du besitzt diese in großen Mengen.“ Harry schloss nach diesen Worten seine Augen, dachte einige Minuten darüber nach und nickte letztendlich mit einem Lächeln. „Mine, bitte, bleib… bleib immer meine beste Freundin… bitte… sonst… sonst töte ich dich!“ „Harry, was-“ „Schweig! Bitte, ich… vorhin hätte ich Ron beinahe wehgetan. Dieser Schlag war die beherrschte Form meiner Wut. Ich hatte den Wunsch… nein, etwas in mir hatte den Wunsch, ihn zu töten, ihn zu zerreißen…“ Der Schwarzhaarige schlug die Hände vor sein Gesicht und schluchzte trocken auf. „Hermine, ich bin ein Werwolf… ein Werwolf! Gestern Nacht stürzte ich vom Turm und wäre gestorben, wenn mich Remus nicht zum Werwolf gemacht hätte!“ Hermine schnappte hörbar nach Luft und zog ihre Hand zurück. Ihr Körper bebte und Angst stieg in ihr auf, die sie aber zurückdrängte. „Hermine, kannst du immer noch meine Freundin sein, jetzt, wo du die Wahrheit weißt?“ Das Mädchen lächelte nachsichtig und griff nach den beiden Händen ihres Gegenübers und nahm sie sanft in die ihren. Zärtlich streichelten ihre Daumen die Oberseite der Hände, während ihre braunen Augen die Smaragde einzufangen versuchten. „Ich habe keine Angst. Du bist mein Freund, seit über fünf Jahren. Das kann noch nicht mal der Tod zunichte machen. Wir bleiben Freunde, für immer.“ Harry schwieg darauf nur, wobei er in den Augen Hermines nach Verrat oder Hass suchte. Dann schnaubte und grinste er spitzbübisch. „Mine, diese Worte aus deinem Mund zu hören, macht mir Angst! Seit wann kannst du so gefühlvoll und romantisch sein?“ „Harry! Harry, du bist blöd!“, lachte die Braunhaarige und klopfte mit ihrer Faust gegen die Stirn des Goldjungen. „Echt, so jemanden wie dich, habe ich noch nie getroffen.“ „Ja, ich auch nicht!“, lachte Harry und nahm das Mädchen in die Arme. „Herm… ich glaube, ich sollte mich dir erst wieder so nähern, wenn deine Tage vorbei sind… ich habe dich nämlich zum Fressen gern.“ **** Blitzschnell huschten zwei Schatten aus der Bibliothek und machten erst in den Slytherinkerkern wieder halt. Während der eine eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht strich, atmete der andere geräuschvoll aus und schloss die grauen Sturmböen. „Wir haben uns zu viel Sorgen gemacht. Das Schlammblut kümmert sich ja rührend um das kleine Wölfchen.“ „Ach, komm! ‚Schlammblut` musst du sie nun wirklich nicht mehr nennen. Sie weiß, wie man ihn aufmuntert. In ihr hat er eine wahre Freundin gefunden… und uns könnte sie auch helfen, schließlich hat sie großen Einfluss auf ihn.“ „Ah, ja, sehr toll. Trotzdem wird sie für mich immer das Schlammblut sein! Egal, wie lieb und nett sie zu ihm ist…“ „Eifersüchtig?“ Der Blonde stutzte und fauchte empört. „Niemals!“ „Sicher.“ „Wirklich nicht!“ „Schon klar.“ „Ich bin nicht eifersüchtig!“ „Schon kapiert!“ „Bin ich nicht!“ „Ja, verstanden!“ „Eifersüchtig, pah!“ „Ist gut!“ „Wie kannst du es wagen!“ „Draco!“ „Blaise, ich bin nicht eifersüchtig!“ „Nein, nur verliebt.“ „Genau.“ „Ha.“ „Zabini!“ „Was denn?“ „Das hast du extra gemacht!“ „Idiot!“ „Zabini!“ „Ja, so heiße ich.“ „… ich gebe es auf!“ „Brav, kleiner Malfoy.“ „Scheiße!“ Kapitel 2: Was die Zukunft bringt... ------------------------------------ 3. Was die Zukunft bringt… Die Tage flogen nur so dahin und Harry lernte langsam mit seinen neuen Kräften und Eigenarten umzugehen. Allerdings bekam er wirklich Probleme, wenn Mädchen ihre monatlichen Probleme hatten. Er hatte sich mehrmals dabei erwischt, wie er einer Betroffenen nachgedackelt war – Merlin sei Dank hatte Hermine ihn meistens davon abhalten können, sie anzuspringen! Nun, die anderen Gelegenheiten wurden regelmäßig von einem blonden Vampir unterbunden, der anscheinend immer öfter in seiner Nähe anzutreffen war. Der Gryffindor verstand diesen Umstand nicht wirklich, aber störte sich nicht sonderlich daran, da der Slytherin ihn fast immer in Ruhe ließ und sich damit begnügte, ihn aus der Ferne zu beobachten. Manchmal waren ihm diese Blicke sehr unangenehm, doch gab es immer öfter Momente, in denen warme Schauer über seinen Rücken liefen, wenn er spürte, dass Malfoy ihn musterte. Dann kribbelte es in seinem Bauch und er schweifte mit seinen Gedanken ab, ein Umstand, der im Unterricht ziemlich lästig war. So viele Strafarbeiten wie in den letzten Tagen, hatte er zumeist nicht mal in einem Jahr zusammen bekommen. Andererseits konnte er so den Aufenthalten im Gemeinschaftsraum und im Schlafsaal aus dem Wege gehen, denn dort hielt sich meist Ron auf. Der ignorierte ihn seit dem Quidditchspiel, das er vergessen hatte, oder warf ihm angewiderte Blicke zu, die dem Schwarzhaarigen im Herzen wehtaten. Ron war sein bester Freund gewesen, sie hatten sich alles erzählt und nun fehlte dieses Glied, diese Stütze. Aber zum Glück hatte er noch Hermine. Sie war mehr denn je um ihn besorgt. Sie war immer bei ihm, half ihm sogar mit den Hausaufgaben, wodurch er nun mehr für die Schule tat. Und das zahlte sich schon sichtlich aus. Er hatte Severus Snape überrascht, indem er diesem hatte sagen können, welcher Trank im Unterricht gebraut werden würde. Er konnte sich noch genau an die Stille erinnern, die im Klassenraum geherrscht hatte. Unsicher hatte sich Harry umgesehen, hatte Unglauben in den Gesichtern der Gryffindors und Slytherins gelesen, wobei ein unheimliches und kaum sichtbares Lächeln Malfoys Lippen geziert hatte. Aber das war nur eines der vielen ungewöhnlichen Ereignisse, die ihm passierten, seitdem er ein Werwolf war. Harry wusste, dass er sich anders benahm als früher. Er war verschlossener, ernster, ja, erwachsener. Und dann gab es wieder Momente, in denen er einfach herumtollen wollte, Hermine dazu drängte, mit ihm hinaus zu gehen, um auf den Wiesen mit einem Ball zu spielen. Zum Glück war die braunhaarige Gryffindor nachsichtig mit ihm, kam seinen Bedürfnissen nach, holte ihn aber wieder von seinen Spinnerein herunter, die ihn manchmal packten. Dennoch war Remus Lupin seine größte Hilfe. Harry war öfters bei seinem Professor zu Besuch im Büro. Dort saßen sie gemeinsam vor dem Feuer, kuschelten sich aneinander und starrten sich anschwiegen oder über belanglose Dinge redend in die Flammen. Er mochte diese Zweisamkeit, diese Wärme. Als Werwolf hatte man wohl das Bedürfnis, mit seinesgleichen Zeit zu verbringen, obwohl es dann wieder Tage gab, während denen sie sich nicht einmal ansehen konnten. Doch die gemeinsamen Kuschelabende überwogen. Und so war es auch an diesem Novemberabend. Draußen regnete es, graue Unwetterwolken krochen missmutig über den Himmel, während im Büro des Verteidigungslehrers das Feuer im Kamin brannte, die Gesichter der beiden Personen erwärmte, die auf einem Teppich vor den Flammen saßen und zusammengekuschelt unter einer Decke warmen Kakao tranken. Beide schwiegen, schauten nachdenklich ins Feuer und lauschten dem Knacken des Holzes. Zögerlich lehnte sich Harry mehr an den braunhaarigen Mann, schloss seufzend die Augen und nuschelte: „Das Wetter macht mich so schläfrig…“ Remus Lupin nickte nur, legte einen Arm um seinen Schützling und hauchte ihm einen Kuss auf den schwarzen Haarschopf. Dann nahm er einen Schluck aus seiner Tasse, bevor er sie abstellte und den Kopf zu dem Gryffindor drehte. Nachdenklich beobachtete er den Jungen von der Seite, bevor ein kleines Lächeln über seinen Lippen huschte, als er an ihre erste Vollmondnacht zurückdachte. Es war wirklich anstrengend gewesen. Der Gryffindor hatte solche Angst gehabt, über sich selbst die Kontrolle zu verlieren, dass er sich am liebsten irgendwo eingesperrt hätte. Doch der Professor konnte ihn beruhigen. Immerhin nahmen sie den Trank von Snape ein, den er ja extra für Remus braute. Leider würde er jetzt durch Harry mehr davon gebrauchen und der Verteidigungslehrer überlegte schon fieberhaft, wie er das Snape beibringen sollte, schließlich wollte er diesem nicht sagen, dass sein Lieblingsschüler nun ebenfalls ein Werwolf war. Sie hatten die ganze Nacht in der heulenden Hütte verbracht, hatten sich auf dem kaputten Bett niedergelassen und lange und ausgiebig gekuschelt, bevor sie im Morgengrauen noch einen kleinen Spaziergang durch den Verbotenen Wald gemacht hatten, bis sie sich wieder zurückverwandelt hatten. Harry war ein schöner Werwolf mit flauschigem schwarzem Fell. Ganz anders als er selbst, der, da er damals noch keinen Trank genommen hatte, durch sein wüstes Wesen viele Narben davon getragen hatte und nun kahle Stellen am Körper hatte. „Remus, woran denkst du?“, fragte der Gryffindor besorgt, riss den Braunhaarigen aus seinen Erinnerungen, der leicht zusammen zuckte und dann den Blick aus den Smaragdaugen erwiderte. Sanft lächelte der Ältere, küsste die Wange des Schwarzhaarigen und seufzte. „Harry, liest du den Tagespropheten?“, kam es nach Minuten des Schweigens vom Professor, der etwas zurückrutschte und den Jungen zu sich herumdrehte. „Nö, wieso?“, erwiderte der Gryffindor perplex und nahm (der) die Brille ab, um seine Gläser mit einem Stück seines Pullovers zu putzen. Er trug dieses Gestell immer noch, allerdings hatten die Gläser keine Stärke mehr, dafür hatte Remus gesorgt. Der Verteidigungslehrer schwieg, betrachtete sich seinen Schützling, bevor er lächelte und abwinkte. „Ach, es gibt keinen besonderen Grund.“ Der Schwarzhaarige kniff kurz die Augen zusammen, bevor er mit den Schultern zuckte und ächzend aufstand. Es war Zeit zu gehen. Gleich würde die Ausgangssperre beginnen und für das Wochenende noch eine Strafarbeit aufbekommen wollte er nicht unbedingt. „Also, Remi, ich muss los. Sehen wir uns morgen Nachmittag wieder?“ Der Ältere nickte, stand ebenfalls auf und öffnete für den Schüler die Tür, starrte hinaus, ob jemand im Gang herumschlich. Niemand zu sehen. „Sicher, komm gegen vier. Außer natürlich, du willst nach Hogsmeade. Dann solltest du mit Hermine gehen. Ich finde, du vernachlässigst sie in letzter Zeit. Du solltest mehr mit ihr unternehmen. Verstehe mich bitte nicht falsch, aber du bist jung. Amüsiere dich mit Menschen in deinem Alter und nicht mit jemanden wie mir!“, belehrte der Braunhaarige Harry, der den Kopf senkte und nickte. „Vielleicht hast du Recht. Mir selbst ist es gar nicht so aufgefallen. Sie sagte auch nichts zu mir… Aber… das ist Hermine“, lächelte der Junge schief, bevor er auf den Gang hinaustrat. „Gute Nacht, Remus!“ Harry schlug den Weg Richtung Gryffindorturm ein und setzte die Brille wieder auf, die er die ganze Zeit in der Hand gehalten hatte. Der Gryffindor achtete nicht auf die Lautstärke seiner Schritte, wozu auch? Immerhin war noch keine Ausgangssperre. Deshalb bekam er auch nicht die Schritte mit, die sich ihm näherten und fast nicht zu hören waren. Aber vielleicht lag es auch daran, dass der Schwarzhaarige in seinen Gedanken versunken war. Remus hatte sich am Ende irgendwie seltsam benommen. Aber Harry konnte sich keinen Reim daraus machen. Er lieb stehen, verschränkte die Arme vor der Brust und seufzte. Das Gefühl, dass der Professor ihm etwas vorenthielt, verstärkte sich. Aber wieso tat der Braunhaarige das? Versuchte Remus ihn vor irgendetwas zu schützen? „Du denkst ja so schwer nach, dass ich deine Gedanken beinahe höre!“ Erschrocken wirbelte der Gryffindor herum, stolperte dabei leicht und wäre sicher gefallen, wenn ihn nicht der Blondschopf am Arm gepackt und an seinen Körper gedrückt hätte. Harrys Augen weiteten sich. „Malfoy!“, murmelte der Schwarzhaarige fassungslos, kam nicht umhin, leicht zu schnuppern. Und sofort hatte er nur den Duft des Slytherins in seiner Nase, dieser Geruch nach Freiheit, Frühling... Der Gryffindor schüttelte den Kopf, vertrieb so diesen mehr als beängstigenden Gedanken und funkelte Draco böse an. „Was willst du?“, knurrte er zornig, riss sich von dem Blondschopf los und rieb sich den Unterarm, an dem er ja an den Körper gezogen worden war. Der Slytherin hatte wirklich eine ungemeine Kraft, ein Umstand, der Harry ein wenig erschreckte. Draco lachte eisig auf, hob eine Augenbraue, bevor er sich an die Mauer lehnte und den Kleineren mit kalten grauen Sturmböen musterte. „Was ich will? Eigentlich nichts. Aber du standest im Weg!“, antwortete der Slytherin kühl, strich sich elegant durch das blonde Haar, bevor er sich von Mauer abstieß und langsam auf Harry zuging. „Aber wenn du schon so fragst: Ich habe tatsächlich eine Frage an dich. Mich würde nämlich interessieren, was du jeden Tag bei dem Werwolf treibst. Hm, vielleicht ist ‚treiben’ das richtige Wort?!“ Harry konnte sich täuschen, aber er glaubte gesehen zu haben, wie sich die Mundwinkel des Blondschopfes wütend verzogen und dessen Augen einen Zorn ausstrahlten, der an Eifersucht grenzte. Aber dieser Eindruck war nach einer Sekunde verschwunden. Nein, das musste Einbildung gewesen sein. „Was?“ Mehr brachte der Gryffindor gar nicht heraus. Er presste seine Lippen so fest aufeinander, dass sie zu einem blutleeren Strich wurden, während sich die Hände zu Fäusten ballten. „Wie kannst du es wagen?!“ Die Worte hatten den jungen Werwolf mehr verletzt, als er gedacht hatte. Der Slytherin zog Remus in den Schmutz. Wie konnte Malfoy nur denken, dass er mit dem Braunhaarigen- Nein, Harry wollte diesen Gedanken gar nicht weiter spinnen. Remus war für ihn so etwas wie ein Onkel, vielleicht sogar wie ein großer Bruder, aber das… Der Schwarzhaarige ging einen Schritt auf den Slytherin zu, der davon gänzlich unbeeindruckt war. Im Gegenteil, es schien fast so, als ob Malfoy sich leicht über ihn amüsieren würde. Und das machte Harry nur noch mehr wütend. „Lass mich doch in Ruhe! Sei froh, dass ich dich noch nicht verpfiffen habe, Frettchen! Immerhin bist du ein Vampir, überfällst deine eigenen Mitschüler und trinkst ihr Blut! Also pass auf, was du sagst und tust!“ Anscheinend musste er etwas sehr Lustiges gesagt haben, denn der Slytherin brach in schallendes Gelächter aus. Der Gryffindor verstand nichts mehr. Wieso lachte der Blondschopf? Jedoch konnte er diesen Gedanken nicht zu Ende führen, denn im nächsten Augenblick fand er sich an der Wand wieder, einen Vampir vor sich, dessen graue, kalte Augen ihn zu hypnotisieren schienen. Sein Gesicht war ausdruckslos, doch der Kleinere konnte spüren, dass er sich jetzt zurückhalten musste. „Potter, du hast keinen Schimmer, worum es hier eigentlich geht. Du bist jetzt ein kleiner neugeborener Welpe, der sich zurecht finden muss. Also mach dein süßes Mäulchen nicht zu weit auf. Wenn es dir noch nicht bewusst ist, wir sind Feinde, nicht nur, weil du Gryffindor und ich Slytherin bin, sondern auch, weil du nun ein Werwolf bist. Und wie du sagtest, ich bin ein Vampir. Du solltest dich doch noch an das Buch erinnern, oder?“ Am liebsten hätte sich Harry umgedreht und mit seinen Fingernägeln durch die Mauer gegraben, aber das war leider unmöglich. Und so konnte er sich nur gegen die Wand drücken, in die grauen Sturmböen starren und sich über die trockenen Lippen lecken. „Ja…“, antwortete er dann doch noch und senkte langsam den Kopf. Natürlich konnte er sich noch an das Buch erinnern, an den Text, den er sich mit Ron durchgelesen hatte. „Gut, und damit du es weißt, sollten wir uns zufällig außerhalb der Schule noch einmal treffen, töte ich dich!“ Der Schwarzhaarige zuckte heftig zusammen und hob den Kopf. Er sog scharf die Luft in seine Lungen, als der Größere ihn hämisch angrinste. Panik stieg in dem Gryffindor hoch. Er wollte flüchten, Malfoy von sich stoßen und wegrennen. Anscheinend war dieser Wunsch in seinen Augen abzulesen, denn das Grinsen des Slytherin wurde noch gemeiner. Harry neigte den Kopf zur Seite, schloss mit einem ohnmächtigen Gefühl die Augen und nickte. „Ich… habe verstanden.“ Etliche Minuten standen sich Harry und Draco gegenüber, bevor der Blondschopf die Hand hob, den Kopf des Kleineren am Kinn zu sich drehte und kurz aber sanft seine Lippen auf die des anderen legte. „Wirklich zu schade!“, hauchte der Slytherin, bevor er einen Schritt zurücktrat, kurz Harry musterte und dann im nächsten Gang verschwand. Der Schüler konnte sich nicht bewegen. Starr lehnte er an der Mauer, stierte ausdruckslos zu Boden. Und dann nach weiteren Minuten rutschte er an der Wand hinunter, zog seine Beine an und umschlang sie mit seinen Armen, legte seine Stirn auf die Knie. „Was sollte das?!“, flüsterte der junge Werwolf, begann leicht zu zittern, während er versuchte, seiner Gedanken Herr zu werden. Aber es war fast unmöglich. Und so blieb er lange Zeit am Boden sitzen und bekam nicht mit, dass die Ausgangssperre schon längst begonnen hatte. **** „Draco, war das denn richtig?“, fragte der schwarzhaarige Slytherin, der sich sein langes Haar neu band und neben dem Blondschopf herging, der die Arme verschränkt hatte und nachzudenken schien. Er war sauer auf seinen besten Freund, der mal wieder nichts anderes getan hatte, als ihn zu belauschen und zu beobachten. „Es musste sein, Blaise. Potter ist sich dem Ernst der Lage nicht bewusst. Wir befinden uns im Krieg. Hier mag er ja sicher sein, aber sobald er in den nächsten Sommerferien Hogwarts verlässt, muss er sich im Klaren sein, dass er jederzeit vernichtet werden könnte. Was bringt ihm eigentlich der Werwolf bei?“ Blaise musste leicht lächeln. Er wusste nämlich ganz genau, dass hinter diesen Worten mehr stecke, als Draco hier preisgab. Dennoch fand er diesen Vorgang mehr als unmöglich. „So wirst du Harry nicht dazu bringen, uns und besonders dir zu vertrauen. Wir brauchen ihn!“ „Wieso gerade ihn, Blaise? Es gibt sicher andere Werwölfe… und auch andere Vampire!“, widersprach der Malfoysproß, der stehen blieb und seinen besten Freund zornige Blicke zuwarf. „Wieso gerade er? Nun ja… er ist Harry Potter!“, grinste der Blauäugige, zuckte mit den Schultern und ließ Draco einfach stehen, der den Mund leicht spitzte und seufzte. „All das ist ja noch gar nicht wirklich wichtig. Hoffentlich erfährt Potter davon so schnell nichts…und wenn, dann sollte er beten, dass die Regierung zu keinem einheitlichen Ergebnis kommt.“ **** Harry war der erste, der im Jungenschlafsaal der Sechstklässler aufgestanden war. Bevor die anderen überhaupt aufwachten, war er schon hinunter in den Gemeinschaftsraum gegangen, wo er nachschaute, ob irgendwo eine Zeitung herumlag. Er bekam nämlich nicht die Frage von Remus aus dem Kopf, ob er den ‚Tagespropheten’ gelesen hätte. Seltsamerweise lag keine herum. Verwirrt kratzte sich der Schwarzhaarige am Kopf und zuckte dann mit den Schultern. Hermine würde ihm sicher etwas sagen, wenn etwas Wichtiges drinstehen würde. Immerhin konnte sie so etwas nie bei sich behalten. Außerdem musste er über das Problem Malfoy nachdenken. Erst drohte er und dann küsste er ihn. Sicher, Harry hatte nicht viel Erfahrung in diesen Dingen, aber normalerweise gehörten Küsse und Todesdrohungen nicht zusammen. Der Kuss war solch ein krasser Gegensatz zu Malfoys restlichem Benehmen gewesen, so dass er ihn einfach nicht vergessen konnte. Und das wurmte ihn! Missmutig verließ er den Gemeinschaftsraum, um in die Große Halle zu gehen. Er war einer der ersten. Nachdenklich setzte er sich an den Gryffindortisch, starrte die Tischplatte vor sich an und bemerkte gar nicht, wie sich nach und nach die Große Halle mit Schülern und Lehrern füllte. Erst als Hermine sanft eine Hand auf seine Schulter legte und sich neben ihm niederließ, verdrängte er seine Überlegungen und sah das Mädchen liebevoll an, die ihm Tee einschenkte. „Alles in Ordnung, Harry? Du siehst nicht gerade gesund aus. Vielleicht solltest du zu Madame Pomfrey gehen.“ Der Schwarzhaarige konnte einfach nur lächeln. Hermine war so besorgt um ihn! Das Gefühl, dass es jemanden gab, der es wirklich ehrlich mit ihm meinte, war wirklich schön. Ein kleiner Stich durchfuhr seine Brust, als er an Ron denken musste, der ihn verraten hatte… „Lass nur, Hermine. Ich konnte die Nacht nur nicht richtig schlafen. Das ist alles. Aber etwas anderes? Wo sind die ganzen Zeitungen hin? Normalerweise liegen im Gemeinschaftsraum immer welche herum? Seit wann räumen die Hauselfen sie weg?“ Neugierig sah er das Mädchen an, die anscheinend über diese Frage mehr als beunruhigt war. Wieso? Irgendwie verhielten sich die Menschen in seiner Umgebung äußerst seltsam; erst Remus, dann Malfoy und jetzt auch noch Hermine. „Ich weiß nicht, Harry. Aber wieso interessiert dich das? Du liest doch sonst nicht den ‚Tagespropheten’!“ Der Goldjunge hätten schwören können, dass dieses Lächeln gezwungen war. Er wollt etwas erwidern, als plötzlich die Eulen die Post brachten. Wie meistens ließ sich Hedwig auf seiner Schulter nieder, knabberte an seinem Ohr an und wartete dann, dass er sie streichelte. Hermine dagegen bekam wie jeden Morgen den ‚Tagespropheten’, den sie fast hektisch aufschlug und anscheinend etwas Bestimmtes suchte. Die Eule, die die Zeitung gebracht hatte, war davon alles andere als begeistert, da sie auf die Bezahlung wartete und so reagierte der Gryffindor schnell, zog ein paar Münzen aus der Hosentasche und warf sie in den kleinen Lederbeutel, den die Eule am Beinchen trug. Sofort flog sie davon und ließ Harry zurück, der Hermine nachdenklich von der Seite musterte. Ihre braunen Augen waren weit aufgerissen, ihre Lippen waren zusammengepresst, wobei ihre Hände leicht zitterten. „Mine, geht es dir nicht gut?“ Die Angesprochene zuckte heftig zusammen, schaute Harry an, als ob er eine Erscheinung wäre, bevor sie mit dem Kopf schüttelte, die Zeitung zusammenfaltete und aufstand. „Nein, es ist nichts. Aber ich habe etwas vergessen, Harry! Wir sehen uns nachher im Gemeinschaftsraum.“ „Aber… das Frühstück!“, murmelte der Goldjunge, dessen Worte aber nicht mehr von Hermine gehört werden konnten, da diese mit eiligen Schritten die Große Halle verließ. Der Gryffindor seufzte ausgedehnt, musterte das Essen, das gerade auf dem Tisch erschienen war und griff hungrig zu, wobei sein Blick immer wieder zum Lehrertisch schweifte. Kein Remus. Sehr ungewöhnlich. Normalerweise war er immer beim Frühstück! Alles sehr verdächtig für Harry. Seine Augen huschten weiter, blieben dann bei Severus Snape hängen, der ihn anscheinend schon länger beobachtete. Er hatte es gar nicht bemerkt! Perplex erwiderte der Schüler den Blick des Professors, der seine Ausgabe des ‚Tagespropheten zur Hand nahm, sich erhob und mit wehendem Umhang die Halle verließ. Was wurde hier gespielt? Mal wieder hatte der junge Werwolf das Gefühl, die einzige Person zu sein, die vollkommen unwissend war. Er musste irgendwoher einen Tagespropheten bekommen, koste es was es wolle! Also blieb der Gryffindor sitzen, schaute dabei zu, wie sich die große Halle immer mehr leerte. Ungeduldig wippte er mit seinem Fuß herum, überwachte mit Argusaugen die Schüler, die einen ‚Tagespropheten’ hatten. Leider wurde er immer wieder enttäuscht, weil sie ihre Zeitungen immer mitnahmen. Doch dann sah er seine Chance. Am Slytherintisch saß kein einziger Schüler mehr, doch gut für den Schwarzhaarigen sichtbar, lag dort eine Zeitung, die ihn regelrecht zu rufen schien. Langsam, um kein Aufsehen bei den restlichen zehn, zwölf Schülern zu erregen, ging der Gryffindor hinüber zum Slytherintisch, streckte die Hand nach der Zeitung aus, wobei er sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Doch er hatte sich zu früh gefreut, denn bevor er sie richtig zu fassen bekam, griff eine andere nach dem ‚Tagespropheten’. „Aber kleiner Welpe, du willst mir doch nicht meine Zeitung klauen, oder?“ Fast schon verzweifelt erwiderte Harry den Blick des schwarzhaarigen Slytherin, der mit seiner Zeitung herumwedelte und lächelte. „Na ja, wenn sie schon dumm herumliegt, hätte ich sie auch lesen können!“, murrte der Gryffindor, dessen Augen sich auf die Seiten Papier richteten. „Sorry, aber sie gehört mir, und ich werde dich sicherlich nicht darin lesen lassen. Könnte passieren, dass du Sabberflecken hinterlässt!“, grinste Blaise eher neckend als böse, bevor er dem Goldjungen durch das schwarze abstehende Haar wuschelte. „Außerdem gibt es Sachen, die man nicht wissen sollte!“ Und schon wieder war das eine Reaktion, die Harry zur Weißglut brachte. „Jetzt fängst du auch noch damit an?! Anscheinend will niemand, dass ich den ‚Tagespropheten lese! Wieso? Was steht darin, was ich nicht erfahren darf?“ Der Gryffindor machte einen schnellen Schritt nach vorne und umfasste das Handgelenk des Slytherins, der sich losreißen wollte, aber sich nicht von Harrys Griff befreien konnte. Überraschung spiegelte sich in den blauen Seen wieder, bevor Blaise leicht nickte und sich mit der freien Hand ein paar Strähnen aus dem Gesicht strich. „Du bist stark, aber ob dir diese Kraft in der Zukunft helfen wird…“ Der Slytherin ließ den weiteren Satz offen, schaute Harry nachdenklich in die Smaragdaugen und gab letztendlich nach. „Ich bin sowieso der Meinung, dass es nicht sinnvoll ist, dir diese Nachrichten vorzuenthalten. Denn wenn du darüber Bescheid weißt, kannst du auch Vorkehrungen treffen. Oder einfach nur abwarten und Butterbier trinken!“ „Was meinst du, Zabini?“ Der Blauäugige schwieg, deutete aber auf die Zeitung. Der Gryffindor ließ das Handgelenk los, schnappte sich den ‚Tagespropheten’ und ließ sich auf die Bank der Slytherins fallen. „Lies die Titelstory. Dann wirst du verstehen!“ Harry tat wie geheißen und richtete seine Aufmerksamkeit auf das Titelblatt, während Blaise ihn nicht aus den Augen ließ. Der Goldjunge las, begriff im ersten Moment gar nicht, dass der Inhalt der Story mit ihm zu tun hatte. „Das kann nicht sein!“, hauchte Harry, der den Artikel noch einmal lesen musste. ////London. Wie wir aus zuverlässigen Quellen erfahren haben, gehen die Verhandlungen über das Gesetz der Werwölfe in ihre letzte Runde. ‚Es ist nur noch eine Sache der strikten Festlegung der Teilpunkte des Gesetzes’, erklärte der Privatsekretär des Zaubereiministers, der uns allerdings keine Einzelheiten nennen wollte. Aber laut Gerüchten soll verboten werden, dass Zauberer und Hexen, die von einem Werwolf gebissen wurden, weiter ihre Arbeit im Ministerium, Krankenhäusern und Schulen nachgehen dürfen. Es ist sogar die Rede, alle Werwölfe aus der Zaubereigesellschaft auszugrenzen und eigens für sie ein abgesperrtes Gebiet irgendwo in Schottland einzurichten. Auch Kinder und Jugendliche sollen ihr weiteres Leben in solchen ‚Reservoirs’ verbringen, dort ihre Schullaufbahn beenden. Zusätzlich steht zu Diskussion, ein Department zu errichten, der Zauberer und Hexen eingehenden Untersuchungen unterzieht, damit wirklich alle Werwölfe erfasst werden können. Natürlich gibt es Gründe für die Festlegung solch eines Gesetzes. Wie wir hinreichend in mehreren Ausgaben berichtet haben, nahmen die Angriffe von Werwölfen auf Menschen in den letzten Monaten stark zu, so dass die Regierung nicht mehr friedlich zusehen kann. […] Kinder von Werwölfen werden unter staatlicher Obhut genommen und nach Regel und Gesetz die beste Ausbildung bekommen. […]//// Die Zeitung entglitt Harrys Händen und fiel vor ihm auf den Boden. Seine Augen hatten sich geschlossen, während er heftig ein- und ausatmete. Also darum hatte ihn Remus gefragt, ob er den ‚Tagespropheten’ die letzten Tage gelesen hatte, deshalb benahm sich Hermine so außergewöhnlich. Sie hatten ihn vor dieser Nachricht beschützen wollen. Er begann am ganzen Leib zu zittern, krallte seine Finger in seine Hose und öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder. „Harry…“, sprach ihn der Slytherin vorsichtig an, legte sanft eine Hand auf dessen Schulter und rüttelte an ihr, um den jungen Werwolf in die Wirklichkeit zurückzuholen. „Harry, sieh mich an, ok? Das Gesetz ist noch nicht verabschiedet worden. Und wenn es dazukommen sollte, dann werden die Werwölfe sicher ein Veto einlegen. Komm, lass dich davon nicht unterkriegen.“ „Aber… wieso gerade Werwölfe? Wieso nicht auch ein Gesetz gegen Vampire? Immerhin stehlen sie den Menschen Blut!“ „Harry, Vampire trinken zwar Blut, aber wir töten unsere Opfer nicht. Wir vernebeln ihre Gedanken, so dass sie sich an nichts erinnern können! Wir lassen niemanden sterben und machen auch nur sehr selten einen zu unseren. Immerhin werden wir als Vampire geboren!“ Der Gryffindor riss seinen Kopf nach oben, starrte den schwarzhaarigen Slytherin hasserfüllt an. „Also bist du auch ein Vampir? Wer denn noch an dieser Schule, bitte schön?!“ Er stand ruckartig auf, wischte die Hand von seiner Schulter weg und marschierte zum Ausgang der großen Halle. Der Schüler musste seine Tränen unterdrückten, wischte sich über die Augen und schlug automatisch den Weg zu Remus’ Büro ein. Er klopfte an die Tür, wartete aber nicht auf eine Antwort, sondern trat einfach ein. Der Verteidigungslehrer saß am Schreibtisch und hob den Kopf, als Harry plötzlich vor ihm stand. Er schien sofort zu wissen, was passiert war, denn er erhob sich sogleich von seinem Platz und nahm den Jüngeren in die Arme, der sich sofort an ihn schmiegte. „Wieso hast du es mir verschwiegen?“, murmelte der Schwarzhaarige gegen die Brust des Größeren, der seufzte und Harry über den Kopf strich. „Ich wollte nicht, dass du nach dieser Nachricht irgendetwas Dummes anstellst. Schließlich steht noch nichts fest und vielleicht wirst du auf irgendeine Weise von diesem Schwachsinn verschont.“ „Aber wieso gerade jetzt? Remus, Werwölfe gibt es doch schon seit Jahrhunderten!“ „Die Werwölfe werden den Krieg verlieren.“ Überrascht schaute der Schüler auf, glaubte, sich verhört zu haben. „Es ist wirklich so. Während Vampire fast nicht sterben können, sind wir in der Hinsicht sehr angreifbar. Sicherlich halten wir vieles aus, was Menschen umbringen würde, aber wir können getötet werden. Und deshalb werden mehr Werwölfe gemacht, damit die Verluste ausgeglichen werden.“ Harry schwieg dazu und kuschelte sich mehr an den Professor, der den Schüler mit sich vor den Kamin schob und ihn dort auf den flauschigen Teppich drückte. „Es tut mir so leid, Harry… Hätte ich dich nicht zum Werwolf gemacht, dann hättest du jetzt diese Probleme nicht!“, seufzte Remus, der dem Gryffindor einen Kuss auf die Stirn hauchte und dann ins Feuer starrte. „Nein, du musst dich für gar nichts entschuldigen!“, rief der Schüler entsetzt aus, schüttelte heftig mit dem Kopf. „Durch dich lebe ich… und… solange du bei mir bist, werde ich all das schon ertragen!“ Der Braunhaarige lächelte matt, nickte sachte, bevor er sich wieder zu Harry drehte und ihm ein paar vereinzelte Strähnen aus dem Gesicht strich. „Ja, zusammen schaffen wir das schon. Und keine Angst, ich werde dich nicht alleine lassen!“ Harry erwiderte das Lächeln, doch innerlich hatte er Angst, Angst vor der Zukunft, die ihn wie ein düsterer Nebel einhüllte. Aber Remus war an seiner Seite und gemeinsam würden sie es schaffen. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)